Welche Fragen sollte man vort einer Hüft-TEP-Operation dem Operateur stellen? Wie kann man dazu beitragen, dass die Prothese lange funktioniert?

Unabhängige Patientenberatung gefordert

Die Hüft-Skandale haben die Menschen verunsichert. Sie kommen mit ihren Fragen zur Durom-SHG. Es gibt zu wenig Unabhängige Patienteninformation.

Allgemeine Informationen vor einer Hüft-TEP Operation

Wenn die Hüfte immer mehr schmerzt, die Beweglichkeit zunehmend eingeschränkt ist und das Laufen nur noch mit Mühe möglich ist, raten Ärzte in der Regel zu einer Hüft TEP Operation. Bei dieser wird die schadhafte und Schmerzen verursachende Hüfte ersetzt durch eine künstliche Hüfte aus Keramik, Metall, Porzellan  oder eine Kombination der genannten. Bei einer Hüft-TEP, also eine Hüft-Endoprothesenoperation,  wird der Kopf des Oberschenkelhalsknochens abgeschnitten. In die Öffnung wird dann ein in der Regel aus Metallschaft aus einer Chrom-Kobalt-Titanlegierung eingetrieben. Bei zementfreien Hüft-TEPs wird der künstliche Schaft so weit in den Oberschenkelhalsknochen eingetrieben, bis er fest verkantet ist und oben am Schaftende ein Konus aus dem Oberschenkelhalsknochen heraus schaut. Die Knochenpfanne im Becken wird ausgelasert und der Form der künstlichen Pfanne, die in die entstandene Mulde im Becken eingepresst wird (Pressfit), angepasst. Auf den Oberschenkelhalsknochen wird dann der Kugelkopf aufgesetzt, der in die neue künstliche Pfanne angepasst ist. Zwischen Kugelkopf und Schaft wird bei einigen Modellen eine Zwischenstück eingesetzt, ein sogenannter Konus, der in unterschiedliche Längen zur Verfügung steht, und somit zum Ausgleich der Beinlänge dient und sicher stellen soll, dass auch nach der Hüft-TEP beide Beine gleich lang sind.

Die Hüft-TEP-Operation im Trickfilm erklärt: Hier klicken
Eine genaue Beschreibung der Hüfte und ihrer Teile sowie weitergehende Informationen erhalten Sie, wenn Sie hier klicken.

Um das Risiko, eine nicht funktionierende Prothese zu erhalten, möglichst gering zu halten, sollten Sie vor der Operation mit dem Operateur folgende Fragen klären
  • Welches Prothesenmodell von welchem Hersteller soll implantiert werden?
  • Aus welchem Material ist die Prothese?
  • Wie lange ist das Prothesenmodell bereits auf dem Markt?
  • Wie hoch ist die aktuelle Versagensquote bei diesem Modell?
  • Wie lange ist die durchschnittliche Standzeit des Modells im Körper?
  • Besteht bei Ihnen eine Materialallergie bzw. eine Allergie gegen das Material der Prothese?
  • Neu Entwicklungen und „Innovationen“ auf Tests und Funktionsprüfungen kritisch hinterfragen, eher auf bewährte Modelle vertrauen.
  • Wie oft hat ihr Operateur das vorgeschlagene Modell bereits implantiert?
  • Wie viele Re-Operationen hat der Operateur bisher bei dem vorgeschlagenen Modell durchgeführt?

Welchem Prothesenmodell kann man noch trauen?

Immer mehr Patientinnen und Patienten sind nach den Veröffentlichungen über fehlerhafte Prothesen verunsichert, wenn ihnen vom behandelnden Arzt eine Hüft-TEP (Hüftendoprothesenoperation) empfohlen wird. Welcher Prothese kann man noch trauen? Welches Prothesenmodell ist das richtige für mich?

Eine Empfehlung erreicht uns von Dr. Semlitsch, der während seiner Berufszeit mit der Entwicklung von Hüftprothesen befassst war:

“… empfehlen Sie für Revisionsoperationen von Hüftpatienten die seit 30 Jahren millionenfach bewährte ZWEYMUELLER ALLOCLASSIC SL/VARIALL mit Titanschraubpfanne mit Aluminiumoxidkeramik Einsatz und dazupassender Keramikkugel auf dem zementlos zu verankernden Titanlegierungsschaft. Erfolgsrate nach 20-jähriger Implantation 95+ %.”

Da wir immer wieder von verunsicherten Patienten, bei denen eine Hüftoperation oder eine Revisions-Operation ansteht, angesprochen werden, welcher Hüftprothese man denn nun noch vertrauen könne, möchten wir die Empfehlung von Dr. Semltisch als Anregung weitergeben. Informieren Sie sich jedoch gezielt bei Ihrem Operateur über das bei Ihnen zu implantierende Prothesenmodell. Sammeln Sie möglichst viele Informationen darüber. Holen Sie verschiedene Meinungen ein. Recherchieren Sie in der Fachliteratur und im Internet. Und hinterfragen Sie den Vorschlag Ihres Operateurs wohlwollend kritisch.

Der Empfehlung von Dr. Semlitsch darf selbstverständlich nicht unkritisch gefolgt werden. Jeder einzelne muss zusammen mit seinem Arzt/seinen Ärzten die für ihn optimale Lösung finden.

Allgemeine Informationen

Ziel von Arzt und Patient ist natürlich, nach der Operation eine möglichst lange Standzeit der künstlichen Prothese im Körper ohne Schmerzen und Bewegungseinschränkungen zu erreichen. Voraussetzung hierfür ist eine einwandfreie und bewährte Prothese, welche bereits seit vielen Jahren im Einsatz ist und mit der gute Erfahrungen gemacht wurden.

Nach heutigen Erkenntnissen sind nach zehn Jahren etwa 95 % der üblicherweise eingesetzten Prothesen iimmer noch problemlos im Körper des Patienten. Etwa 85 % der Hüftprothesen halten länger als 20 Jahre. Grund für Revisionen, also einem Austausch der Prothese, ist oft Lockerung der Prothese durch übermäßige Belastung oder Knochenschwund, erhöhter Abrieb, wie er bei fehlerhaften Prothesenmodellen vorkommen kann, oder nicht korrekter Einbau der Prothese durch den operierenden Arzt.

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick.

Tabelle: Wahrscheinlichkeit, dass ein künstliches Hüftgelenk ausgetauscht werden muss
Alter bei Erstoperation Wahrscheinlichkeit bei Männern Wahrscheinlichkeit bei Frauen
50 Jahre 30 % 17 %
60 Jahre 17 % 17 %
70 Jahre 8 % 6 %
80 Jahre 2 bis 3 % 2 bis 3 %
Quelle: https://www.gesundheitsinformation.de/was-kann-ich-von-einem-gelenkersatz-erwarten.3277.de.html?part=behandlung-pv

 

Hüft-TEP-Operation

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Fragen vor einer Hüft-Operation

Wer unter Hüftschmerzen leidet, braucht viele Informationen, um über das weitere Vorgehen entscheiden zu können. Zu Beginn der Schmerzen, die sich von der Hüfte über die Leiste und über den Oberschenkel bis hinunter zum Knie ziehen können, kann mit Physiotherapie und regelmäßigen Übungen ein frühzeitiger Operationstermin hinausgezögert werden. Dabei sollte man immer im Hinterkopf behalten, dass je besser der Halteapparat ausgebildet ist, je fitter man allgemein ist, der Heilungsprozess nach der OP  um so schneller voran schreitet und es leichter fällt, wieder in den Alltag zurück zu finden. Sind die Schmerzen unerträglich und helfen auch physiotherapeutische Maßnahmen und Gymnastik nicht mehr, erleichtern selbst Schmerzmittel nicht mehr, sollte ernsthaft an eine Hüft-TEP gedacht werden. Dabei gibt es keinen “richtigen” Zeitpunkt für eine Operation. Zu langes Warten führt unter Umständen durch Vermeidungsbewegungen, mit denen man das schmerzhafte Hüftgelenk schont, bei der anderen Hüfte, der Wirbelsäule oder den Knien zu Schäden und Beeinträchtigungen.

Vor einer Entscheidung, in welcher Klinik, von welchem Arzt man sich operieren lässt, sollte man zwei oder gar drei unterschiedliche Möglichkeiten kennen gelernt haben. Ob eine Kappenprothese ausreicht, minimalinvasiv operiert werden soll, welches Prothesenmodell implantiert werden soll, all dies sind Fragen, mit denen man sich im Vorfeld befassen sollte. Und auch wenn das Vertrauen in den Operateur und die Klinik sehr wichtig ist, sollten man sich genau erklären lassen, warum welche Operationstechnik oder Prothesenmodell vorgeschlagen wird. Sehr skeptisch und kritisch sollte man bei Superlativen sein: der “neuesten Prothese”, der besten Methode, … Fragen sie nach bewährten Prothesenmodellen und Operationstechniken und hinterfragen sie gezielt, wenn Bewährtes durch Neues ersetzt werden soll.

NDR: Hüftschmerzen – Wann ist eine Prothese nötig?
Deutsches Arthroseforum