Zeitungsberichte und Artikel in Printmedien

Hunderttausende: Patient vor Profit

Am 20. November 2019 erschien in der Zeitschrift STERN NR. 37/2019 ein Artikel, der über den aktuellen Stand der Aktion aus der STERN Titelgeschichte vom 05.09.2019 berichtete. Veröffentlicht wurde ein Aufruf von über 130.000 Personen, die alle fordern: “So darf es nicht weiter gehen! Menschen vor Profit” Unterzeichnet haben neben vielen einzelnen Ärzten, Präsidenten von Ärzteorganisationen und 19 Organisationen mit Verbindung zum Gesundheitswesen. Auf change.org/menschvorprofit wurde in Folge des STERN Berichts eine online Petition gestartet, welche bis zum 02.10.2019 bereits 52.000 Menschen unterstützen.

Der STERN griff damit eine von der SHG oft vorgebrachte Kritik an der Prothesenindustrie auf. Selbst Ärzte stellen immer wieder wirtschaftliche Interessen in den Vordergrund ihrer Behandlungsentscheidungen. Nach dem Motto “Viel hilft mir viel” wird lieber eine Hüft-TEP zu viel als eine zu wenig auf den Weg gebracht. Bei der Dominanz von “Masse statt Klasse” häuft sich zwangsläufig auch die Wahrscheinlichkeit, dass Fehler passieren. Vor allem bei der Kontrolle der Herstellerangaben zu einem neuen Medizinprodukt. Das Durom-Metasul-LDH-Hüftprothesenmodell der Firma Zimmer Biomet wurde als “der Mercedes der Hüftprothesen” angepriesen. Manche haben den Versprechungen des Herstellers geglaubt, andere nicht.

Nach Auskunft der Geschäftsführung eines großen Herstellers von Medizinprodukten werden Medizinprodukte nach einer “firmeninternen Risikoanalyse” auf den Markt gebracht. Die Frage drängt sich auf, welches Risiko die Firma prüft. Ist es das Risiko, für ein nicht ausreichend getestetes Prothesenmodell zur rechenschaft gezogen zu werden? Oder ist die Frage, wie sicher das Produkt für die Patiensten ist, die es implantiert bekommen sollen?

Dass das CE-Kennzeichen kein Qualitätssiegel ist und die Zulassungsverfahren in Europa keinerlei Sicherheit für die Patienten bietet, ist hinlänglich bekannt. Was also bedeutet “firmeninterne Risikoanalyse”? Wessen Risiko prüft die Firma? Das Risiko der Firma, bei einem möglicherweise fehlerhaften Medizinprodukt, welches sie auf den Markt zu bringen beabsichtigt, erwischt zu werden und am Ende zu Schadensersatz- und Schmerzensgeldzahlungen verurteilt zu werden? Oder wird das Risiko geprüft, mit dem Produkt die Entwicklungs- und Produktionskosten nicht erwirtschaften zu können? Dass das Risiko für Patienten geprüft wird, durch das Medizinprodukt einen gesundheitlichen Schaden zu erleiden, kann wohl als eher unwahrscheinlich abgetan werden.

Auszeichnung für ImplantFiles

Auszeichnung für die ImplantFiles. Die Journalisten der Implant Files wurden mit dem Award for Excellence in Health Care Journalism 2018 ausgezeichnet.

Ihre Rechercheergebnisse der ImplantFiles haben im Herbst 2018 die Verbraucher aufgeschreckt. Der internationale Rechercheverbund aus NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung hatten erschreckende Beispiele von fehlerhaften Medizinprodukten, die in Patienten implantiert wurden, zusammen getragen. Als Hauptgrund für das  Versagen der Implantate nennen die Journalisten das Konformitätsverfahren der EU. Bei diesem beauftragen die Hersteller eine sogenannte Benannte Stelle mit der Prüfung der Unterlagen. Die Unterlagen stammen ausschließlich vom Hersteller. Geprüft wird nicht, ob das Produkt Patienten gefährlich werden könnte, sondern nur, ob bei der Herstellung des Medizinproduktes die Vorgaben und Richtlinien der EU eingehalten wurden. Am Ende steht das CE-Kennzeichen, welches alle Produkte eingeholt werden muss, die in Europa verkauft werden sollen. Das CE-Kennzeichen gilt für  Medizinprodukte genauso wie für Haushaltsgeräte, Spielwaren, etc.. 

Entscheidungsträger

Leider haben die Ergebnisse der ImplantFiles die verantwortlichen Entscheidungsträger nicht aufgeschreckt. Denn bis heute hat sich nicht viel bis gar nichts getan. Nichts-Tun hat Tradition: Schon vor zwölf Jahren sollten Operationen mit künstlichen Gelenken in einem bundesweiten Register erfasst werden. Doch bis heute gibt es außer der von den Herstellern als Prothesenregister verkauften Mogelpackung keine systematische und verpflichtende Erfassung der Implantate. Die Nichts-Tuer sitzen und saßen im Bundesgesundheitsministerium: vor 12 Jahren war Ulla Schmidt (SPD) Bundesgesundheitsministerin, dann kamen Philipp Rösler (FDP), Daniel Bahr (FDP) und Hermann Gröhe (CDU) und nun Jens Spahn. Alle waren offensichtlich nicht in der Lage, ein zentrales, unabhängiges und für mehr Patientensicherheit sorgendes Prothesenregister in Deutschland auf den Weg zu bringen.

Lobbyismus zum Nachteil der Patienten

Über die Gründe für diese Verweigerungshaltung kann man nur spekulieren. Liegt es daran, dass Medizinproduktehersteller mit erheblichem finanziellen Aufwand Lobbyarbeit betreiben? Liegt es daran, dass es ein Interessengeflecht zwischen Gesundheitsministerium und Medizinprodukteherstellern gibt? Liegt es daran, dass Patienten weder über Lobbyisten noch millionenschweren Etats verfügen? Liegt es daran, dass sich Patientensicherheit für Entscheidungsträger nicht “lohnt”?

Der aktuelle Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat nun wieder einmal die Einrichtung eines zentralen, beim DimDi (Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information) angesiedelten unabhängigen Prothesenregisters angekündigt: Herr Spahn, die Betroffenen warten darauf, dass Sie Worten nun endlich Taten folgen lassen!

Lesetipps: 
  • Katrin Langhans u.a.: Gefahr im Körper. Das riskante Geschäft mit der Gesundheit. Implant Files. Süddeutsche Zeitung Verlag 2018; 22 €
  • Eckart Roloff, Karin Henke-Wendt: Geschädigt statt geheilt – Große deutsche Medizin- und Pharmaskandale. Hirzel 2018; 22 €

MoM Hüftprothesen mit Großkugelkopf

Metall-auf-Metall-Hüftprothesenmodelle mit einem Großkugelkopf werden von Experten inzwischen als problematisch angesehen. Die Gefahr, dass gesundheitsschädigender Metallabrieb entsteht, ist hoch. Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass die erhofften Vorteile eines MoM Großkopfprothesenmodells nicht eingetreten seien. Der mechanisch-korrosiven Abrieb, schreibt Hannes A. Rüdiger in “Schweizerische Zeitschrift für Sportmedizin und Sporttraumatologie” 61 (2), 39–42, 2013, hätte “lokale metall- assoziierte Weichteilreaktionen, Osteolysen und stark erhöhte systemische Ionen-Konzentrationen” zur Folge gehabt, die zu teils erheblichen gesundheitlichen Einschränkungen bei Patienten geführt hätten. Weiterlesen

Gerichtstermin am LG Freiburg

am Freitag, 18.Januar 2013  um 10.15 Uhr fand am Landgericht Freiburg ein Gütetermin eines „Betroffenen gegen Zimmer“ statt. Es war  der erste Gerichtstermin eines Betroffenen ohne Revisions-Operation. Dass das Verfahren nun ruht und die “Verjährungsfrist” bis 31.12.2014 verlängert wurde, lässt dem Betroffenen die Möglichkeit, bei zunehmenden Gesundheitsproblemen seine Ansprüche gegenüber der Firma Zimmer bis Ende 2014 geltend zu machen. Weiterlesen

BHR-Prothese (Birmingham Hip Resurfacing)

In der Ärzte-Zeitung vom 02.10.2012 berichtet Peter Leiner von einem Artikel im Journal of Bone and Joint Surgery von einer Auswertung der Birmingham Hip Kappenprothese bei Männern und Frauen. Er berichtet, dass diese Prothesenmodell für Frauern offensichtlich weniger geeignet ist wie für Männer. Lesen Sie hier mehr.

Hier finden Sie den englisch sprachigen Artikel

Kommentar zu “Aus der Hüfte” – Artikel in der Süddeutschen vom 26.10.2012

Das Zulassungsverfahren für Medizinprodukte in Europa ist ein Scheinverfahren, das ausschließlich die Interessen der Hersteller berücksichtigt. Für den Patientenschutz ist es wertlos. Zu dieser Einschätzung kommt die “Süddeutsche Zeitung” auf der Titelseite ihrer Ausgabe vom 26.10.2012.

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Kommentare zur ersten Gerichtsverhandlung gegen Zimmer vor dem Landgericht Freiburg

Badische Zeitung vom 01.06.2011

Freiburger Wochenbericht vom 01.06.2011

Kommentare zum Artikel in der Badischen Zeitung vom 01.06.2011:

Manfred Zorn 31. Mai 2011 – 20:45 Uhr
Da kann einem schon Angst und Bange werden! Fassen wir zusammen: Sündhaft teure Medizintechnik kommt mit einer “schwachsinnigen” Anleitung daher, also etwa so wie der 14,99 Euro Radiowecker vom Discounter. Was macht der Arzt? Er kann damit nichts anfangen, setzt sie aber trotzdem aufs Geratewohl ein, anstatt beim Hersteller zu protestieren. Der Patient ist der Dumme, die Schuldigen – Arzt UND Hersteller – stehlen sich aus der Verantwortung. Einen furchtbaren Medizinbetrieb haben wir in diesem Land!

Joachim Rosenstock 1. Mai 2011 – 20:50 Uhr
@Manfred Zorn
Einen wichtigen Mitspieler haben Sie noch vergessen – den Richter!
Der sagt gleich, kein Urteil in Aussicht und den Rest klärt die biologische Uhr??!!

Oliver Rosenstock 31. Mai 2011 – 21:16 Uhr
Da dürfte sich manch einer an die Sulzer Medica Unternehmensgeschichte, also die heutige Zimmer, erinnert fühlen; hat man doch bereits in 2002 USD 725 Mio. in den USA für eine Vergleich wegen fehlerhafte Gelenkimplantate gezahlt.

Michael Kühner 31. Mai 2011 – 21:17 Uhr
Was treibt unsere Verbraucherschutzministerin eigentlich den ganzen Tag?
Oder anders herum gefragt: Habe ich die ganzen Jahre Verbraucherschutzministerium falsch verstanden und es ist ein Ministerium, das VOR den Verbrauchern schützt, nicht selbige selbst wie ich angenommen hatte?

Heinz Meister 31. Mai 2011 – 21:34 Uhr
Ich finde das Verhalten des Richters, so wie’s hier geschildert ist, skandalös und unakzeptabel.
Andererseits frage ich mich, warum nicht eine Stiftung der Frau finanzielle Sicherheit hinsichtlich der Prozeß- und Gutachterkosten gewährleisten kann?! Handelt sich’s bei der Klägerin um eine Freiburger Bürgerin, so sähe ich die Stiftungsverwaltung an erster Stelle gefordert. Es gibt aber auch noch andere Stiftungen, die sich den Bedürftigen kraft ihrer Satzung verpflichtet sehen (müssen). Nicht zuletzt sind die Krankenkassen gefragt und gefordert, die bestmögliche Nachfolgebehandlungen gewährleisten müssten.

Nikolaj Blasi 01. Juni 2011 – 02:23 Uhr
ähnlich gelagerter fall wie gestern mit der antibabypille:
der “otto-normal-bürger” (falls es den überhaupt gibt?!), zieht sowieso immer den kürzeren. ich wünsche der klägerin viel durchhaltevermögen und glück. möge doch eines tages die gerechtigkeit siegen.

Manfred Zorn 01. Juni 2011 – 08:53 Uhr
@ Nikolaj Blasi: “ähnlich gelagerter fall wie gestern mit der antibabypille”
Nein, das ist ganz sicher KEIN ähnlich gelagerter Fall!! Jeder medizinische Laie weiß, daß “die Pille” die Gefahr von Thrombosenbildung als Nebenwirkung ausdrücklich auflistet. Da wird eine Risikoabwägung durchgeführt; die statistische Wahrscheinlichkeit (1 von ….. Patienten) wird benannt und die geringe Wahrscheinlichkeit führt ja auch dazu, daß viele Frauen sich dafür entscheiden. Ich kann mir nicht vorstellen, daß den Endoprothese-Patienten die richtigen, dramatischen Prozentzahlen möglicher Probleme genannt wurden. Wie auch – der Hersteller wusste es ja selbst nicht!

Bernice Bacheberle  01. Juni 2011 – 09:38 Uhr
Wahrscheinlich billig im Ausland gekaufte Ware, aber mit der Kasse bzw. dem Patienten die teuren Preise deutscher Markenhersteller abgerechnet. Man weiß das aus dem Herzklappenskandal.
Der größte Skandal bei medizinischen Kunstfehlern ist, dass kein Arzt die Verantwortung übernehmen will, obwohl alle Ärzte eine Berufshaftpflichtversicherung haben. Da halten alle gegen die Patienten zusammen, damit die Versicherungsprämie nicht angepasst wird und weil ein Fehler Konsequenzen in der Karriere hat. Entweder sind die Gesetze zu lasch oder die Richter sind nicht unabhängig! Die Gerichte könnten sich mal an den USA ein Beispiel nehmen, da gibt es Schmerzensgeld und das ordentlich.

Martin Zielich 01. Juni 2011 – 09:49 Uhr
@ Bernice Bacheberle
Haben Sie den Artikel überhaupt gelesen oder BILDen Sie sich Ihre Meinung enfach so?

Herbert Pommerenke  01. Juni 2011 – 10:55 Uhr
Vielleicht ein Anstoß zum Nachdenken: Alle Gesetze werden von Juristen bearbeitet bevor sie beschlossen werden und hier liegt das Dillema. Im Eigeninteresse beinhalten alle Gesetze Lücken damit der Stand der Juristen gesichert ist. Gerade die Zivilprozessordnung lässt Tür und Tor geöffnet um Prozesse bis zum Nimmerleinstag zu führen und in den meisten Fällen zum Nachteil des Schwächeren! Nur das Kapital entscheidet letztendlich über Recht und Unrecht. In ganz wenigen Ausnahmefällen gibt es wirklich unabhängige Richter die sich z.B. dem Auflauf von Anwälten von Versicherungen und deren Rechtskonstruktionen widersetzen.

Michael Keller 01. Juni 2011 – 12:08 Uhr

Ohne die Forderungen der Betroffenen in irgendeiner Weise in Frage stellen oder das Leid schmälern zu wollen: Was wäre das für ein Rechtsstaat, Herr Pommerenke, wenn Ansprüche nur behauptet und nicht bewiesen werden müssten? Wenn etwa Ihr Nachbar nur behaupten bräuchte, wegen Ihrer Grillparty gestern krank geworden zu sein, einen Schaden erlitten zu haben und Sie müssten das dann widerlegen um Schadensersatzforderungen zu entgehen? Es gibt im Arztrecht ohnehin schon erhebliche Einschränkungen der regelmäßigen Beweislastverteilung, die kaum noch weiter ausgedehnt werden können, ohne unser Rechtssystem auf den Kopf zu stellen.
Richtig: Davon profitiert hier blöderweise der Hersteller, der trotz einer verdächtigen Häufung der Schadensfälle einfach – in jedem Einzelfall – die Kausalität zwischen Fehler und Schaden bestreiten und zudem auf individuelle Einbaufehler als mögliche Reserveursache verweisen kann; das eröffnet eben das Feld für die Gutachter und wird von den Betroffenen als ungerecht empfunden. Würde aber nicht jeder vernünftige Beklagte in der Position der Fa. Zimmer versuchen, sich so gut wie möglich zu verteidigen? Es ist auch völlig richtig, wenn der Richter falsche Erwartungen an ein schnelles Verfahren dämpft. Ein nicht abgesprochenes Einlenken der Beklagten und/oder der Klinik als Streithelfer schon vor der Beweisaufnahme würde nämlich zum Verlust der eigenen Ansprüche gegen die jeweilige Betriebs- und Berufshaftpflichtversicherung (Schuldanerkenntnis als Obliegenheitsverletzung) und zudem unausweichlich zu Rückenwind für eine enorme Zahl von Folgeansprüchen (170 < x < 770 Betroffene) führen – auch wenn das Bestehen einer Rechtspflicht im Anerkenntnis oder im Vergleich bestritten wird. Wenn überhaupt werden die Versicherungen wohl allenfalls einem Vergleich unter Einbeziehung der Klinik und möglicherweise einer größeren Zahl von Betroffenen zustimmen.
Anders als etwa Frau Bacheberle meint, werden in vergleichbaren Fällen übrigens auch in den USA höchst selten Urteile gesprochen. Normalerweise kommt es zu einem Vergleich unter allen Beteiligten, die sich einer “class action” angeschlossen haben. Eine solche Klageart gibt es in Deutschland – zurecht – ohnehin nicht und auch für eine subjektive Klagehäufung auf Klägerseite fehlen die Voraussetzungen, da eine in allen Fällen identische Ursache gerade nicht sicher feststeht und die verbindliche Klärung dieser Frage den Prozess noch viel stärker verzögern würde. Zudem enthalten die in den USA zugesprochenen bzw. verglichenen “nicht zu knappen” Beträge auch Anteile eines Strafschadensersatzes (“punitive damages”), der unserem Rechtssystem fremd ist (deshalb hat etwa Stella Liebeck – zunächst – 2,7 Mio USD Strafschadensersatz zugesprochen bekommen, weil sie sich im Auto heißen Kaffee über die Beine geleert hat und auf dem Becher kein Warnhinweis aufgedruckt war – finden Sie das richtig?).
Es ist auch unklar, Herr Meister, weshalb der Staat (die Stadt, eine Stiftung etc.) einspringen sollte, um die Klage zu finanzieren – die Kl. ist ja offenbar durchaus rechtsschutzversichert und auch ansonsten sehe ich keine Verpflichtung der öffentlichen Hand, die Klägerin anders als etwa bei Schadensersatzprozessen nach Verkehrsunfällen individuell zu unterstützen.
Schließlich sehe ich nicht, Herr Kühner, was ein “Verbraucherschutzministerium” Vernünftiges tun sollte, um die Probleme bei der Rechtsverfolgung zu beseitigen. Soll es per Dekret die Fa. Zimmer zur Zahlung verpflichten? Soll es ein Gesetz auf den Weg bringen, das die Beweislast für ihre Entlastung einseitig den Herstellern aufbürdet, die dann natürlich zur Risikovorsorge die Preise massiv erhöhen müssten und so den ohnehin sauteuren Eingriff (die Fallkostenpauschale für eine TEP in der GKV lag einmal bei ca. 8500 €) für gesetzlich Versicherte endgültig unfinanzierbar machen?

Herbert Pommerenke 01. Juni 2011 – 12:57 Uhr

Herr Keller sind Sie Jurist?
Welche Beweise wollen Sie noch? Schließlich handelt es sich um nicht nur Eine, sondern um sehr viele Patienten mit selbigem Schaden!

Th. Heussmann  01. Juni 2011 – 12:58 Uhr

Das BZ-Kommentatoren-Industrie-Bashing geht in die nächste Runde.
Herr Zorn, können Sie sich vorstellen, dass eine ärztliche Kapazität auf dem Gebiet der Endoprotetik für sich auch durchaus mal in seiner selbstverliebten Art herausnimmt, die Prothesen nach seinem “Gusto” und nicht streng nach Anleitung einzusetzen? Schließlich ist er der Experte auf dem Gebiet. Und seien Sie sich sicher, dass eine Anleitung für die Implantation eines Medizinprodukts aus einem zertfizierten Unternehmen eine andere “Qualität” als die eines Radioweckes erfordert.
Herr Rosenstock, die Implantate aus dem mit einem Vergleich abgeschlossenen Verfahren waren nicht fehlerhaft, sondern “verschmutzt”. Es befanden sich Reste von Schmiermitteln aus der Produktion auf den Implantaten, was zu den Schwierigkeiten führte. Ein Vergleich ist dann auch für die Betroffenen ein schneller Weg, an die Entschädigung zu kommen, statt in jahrelangen Prozessen ihre Ansprüche klären zu lassen, welche sie dann ggf. nicht mehr beanspruchen können.
Frau Bacheberle, (…)

Michael Keller 01. Juni 2011 – 13:47 Uhr

Herr Pommerenke: Ja, ich bin einer der bei Ihnen bekanntlich wenig beliebten Juristen.
Ich kenne die Akte nicht, nur den Artikel und ich habe ein bisschen die Vorgeschichte verfolgt. Wo haben Sie denn sichere Beweise für die Kausalität zwischen dem (angeblich in allen Fällen identischen) Fehler an der Prothese und den eingetretenen Schäden gefunden? In dem Parteigutachten der Klinik, die die TEP selbst vorgenommen hatte? Die Klinik hat aber ein erhebliches Belastungsinteresse, um die eigene Mitverantwortung zu reduzieren, was natürlich die Objektivität in Frage stellt. Oder sehen Sie den Beweis tatsächlich in der Häufung der Ereignisse? Dann verwechseln Sie Beweisführung aber mit bloßer Korrelation (s. Wikipedia mit netten Beispielen: http://goo.gl/O88D1 und hier: http://goo.gl/0Aq3U). Auch dass eine TEP von vornherein nur bei etwas über 90% der Patienten erfolgreich verläuft (Wikipedia: http://goo.gl/qxj5g) spricht durchaus für weitere mögliche Reserveursachen, wenn die Prothese wieder entfernt werden musste, auch wenn der Artikel die Kausalität bereits als sicher unterstellt (“bei bislang 170 Betroffenen musste _deshalb_ die Prothese ausgetauscht werden”).
Nachdem Sie sich ansonsten den Naturwissenschaften zugewandt geben, verstehe ich nicht ganz, weshalb Sie hier davon abweichen wollen und auf zweifelhafte und esoterische Anspruchsbegründungen zurückgreifen.
Es ist übrigens völlig egal, wer derzeit die Beweislast trägt – das Gericht wird sich in jedem modernen Rechtssystem mit der Frage der Kausalität befassen müssen, solange sie von einer Partei bestritten wird. Sonst wären wir bald wieder im Mittelalter und könnten zu dieser Frage auch ein Gottesurteil einholen 😉

Herbert Pommerenke 01. Juni 2011 – 14:03 Uhr

Danke Herr Keller für Ihre Offenheit! Sie gehören also der Fakultät an die sich Rechtswissenschaftler nennt. Ich stimme Ihnen zu, dass Sie bemüht sind Ihren Stand zu rechtfertigen, denn das gehört zum Selbsterhaltungstrieb. Das nachfolgende Beispiel ist nur für uns beide gedacht: In Ägypten lagen die Juristen Hernn Mubarak und seinen Gesetzen zu Füßen. Nach dem Sturz Mubaraks sind es dieselben Juristen die ihn nun anklagen wegen vielen Delikten z.B. Völkermord usw. Wo war die Rechtswissenschaft vorher?

Oliver Rosenstock 01. Juni 2011 – 14:18 Uhr

Herr Heussmann, ich kenne die Sulzer Medica Historie recht gut und weiss auch um den damaligen Mangel.  Bei der in Verkehrbringung von Gütern geht es um deren Fehlerfreiheit, weswegen das sog. Produkthaftungsgesetz eigentlich Gesetz über die Haftung für fehlerhafte Produkte heißt. Ein verschmutztes Implantat ist fehlerhaft. Was mein sachlicher Hinweis auf die Unternehmenshistorie mit “Bashing” zu tun haben soll kann sich mir nicht erschließen.

Michael Keller  01. Juni 2011 – 14:27 Uhr

Herr Pommerenke, Sie schrieben:
“Nach dem Sturz Mubaraks sind es dieselben Juristen die ihn nun anklagen wegen vielen Delikten z.B. Völkermord usw. Wo war die Rechtswissenschaft vorher?”
Im Bann des Diktators? Das war ja auch schon im 3. Reich so, dass sich das Regime der Justiz bedient, um sich selbst zu rechtfertigen. Deswegen unterhalten wir bekanntlich ein System der Gewaltenteilung, das scharf zwischen Gesetzgebung, Exekutive und Justiz trennt. Daher hat eine alte Justiz in einer neuen Ordnung grundsätzlich auch nichts verloren…
Nur: Mit dem vorliegenden Fall hat das nichts, aber auch gar nichts zu tun – das ist doch nur pauschale Juristenschelte, was mich als Betroffenen schon sehr stören würde. Nebenbei: Wer sollte Ihnen denn ohne Juristen zu Ihren vermeintlichen Rechten verhelfen? Wenn’s das Faustrecht sein soll, sehe ich Sie, mit Verlaub, eher auf der Verliererseite..

Herbert Pommerenke 01. Juni 2011 – 14:35 Uhr

Herr Keller wir wollen unseren Disput hier als erledigt betrachten, aber sehr gerne würde ich diese geschriebenen Zeilen in der Realität mit Ihnen mündlich fortsetzen. Im Übrigen erscheint ein von mir fast fertiges Buch, so hoffe ich, zur Frankfurter Buchmesse.

Michael Keller 01. Juni 2011 – 15:12 Uhr
Gerne, Herr Pommerenke. Ich akzeptiere übrigens auch durchaus, dass Gerechtigkeit immer subjektiv empfunden wird und dass bei subjektiver Ungerechtigkeit halt die Organe der Rechtspflege dafür verantwortlich gemacht werden. Dass es zudem (gar nicht selten) auch Fälle objektiver Fehler gibt – falsche Beratung, falsche Urteile – ist natürlich unbestritten.

Der Hüftskandal mit DePuy und Durom Hüftprothesen weitet sich aus

Immer größere Kreise zieht der Skandal um schadhafte Hüftprothesen der Firmen Zimmer und DePuy. Im Spiegel 16/2011 wird von 5.500 DePuy Patienten gesprochen, die allein in Deutschland wegen ihrer Hüftprothese unter erhöhtem Metallabrieb leiden. ALleine in Freiburg wurden über 900 Patienten eine der Durom-Metasul-LDH-Hüftprothesen der Firma Zimmer Biomet implantiert. Nach Aussage von Dr. Rütschi, Chefarzt des Loretto Krankenhauses in Freiburg, sind die Prothesenmodelle von DePuy und Zimmer baugleich. Bei beiden entsteht gefährlich viel Metallabrieb, der den Patienten vergiftet und zu einer vorzeitigen Re-Operation führt. Bei beiden Modellen klagen Betroffene über die gleichen gesundheitlichen Beschwerden. Weiterlesen

Pressespiegel

Hier finden Sie einen Überblick über regionale und überregionale

Presseinformation vom 1.März 2010

Aus den vorliegenden Untersuchungsergebnissen folgt nach der Presseerklärung des Lorettokrankenhauses vom 01.03.2010, dass das Krankenhaus keine Schuld für die Folgen auf Patientenseite trifft.

Presseerklärung vom 01.03.2010 des Lorettokrankenhaus im Wortlaut