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Vorsätzliche Körperverletzung?

Wenn ein Medizinproduktehersteller wie Zimmer eine Medizinprodukt auf den Markt bringt, welches den üblichen Sicherheitserwartungen der Anwender und Patienten nicht entspricht, ist dies dann Körperverletzung? Und wenn der Hersteller aber weiß oder wissen müsste, dass das Produkt nicht sicher ist, ist dies dann vorsätzliche Körperverletzung? Weiterlesen

MoM-Hüftprothesen jährlich prüfen

Patienten mit einer Metall-auf-Metall Prothese sollten sich häufiger als bisher empfohlen auf Metallabrieb untersuchen lassen. Im März 2012 gab es eine allgemeine Empfehlung in Deutschland für Patienten mit einer Metall-auf-Metall Hüftprothese, im jährlichen Rhythmus eine Blutuntersuchung auf Chrom und Kobalt durchführen zu lassen

Bereits am 28. Februar 2012 schreibt die New York Times, dass in Großbritannien die Überwachung der Patienten mit Metallhüften ausgeweitet wurde. Empfohlen wurde, dass sich Personen, die eine Metall-auf-Metallprothese implantiert bekommen haben, dringend im Jahresrhythmus Nachuntersuchungen durchführen lassen sollten, um sicherzustellen, dass sie nicht an nekrotischem Gewebe oder anderen Gesundheitsproblemen leiden.  Ursprünglich war empfohlen worden, sich alle 5 Jahre einer Nachuntersuchung zu stellen. Nun aber stellte sich heraus, dass der Abrieb bei Metall-auf-Metall Prothesen wesentlich höher ist als ursprünglich angenommen. “Durch die jährlichen Untersuchungen können Probleme früher erkannt und weitreichende Operationen vermieden werden,” sagte Dr. Susanne Ludgate, die Klinikleiterin der Medicines and Healthcare Products Regulatory Agency.

Im Artikel wird berichtet, dass der Metallabrieb sich über einen Zeitraum von 15 – 20 Jahre erstrecken könne, wenn auf Grund der Ergebnisse der jährlichen Untersuchungen nicht gegebenenfalls rechtzeitig entsprechende Maßnahmen ergriffen würden.

Die Britischen Empfehlungen würden sich jedoch nicht auf Patienten in den USA beziehen. Aber Metall-auf-Metall Hüftprothesen, die einen größeren Kugelkopf verwenden, wurden auch in den USA jahrelang in hoher Stückzahl eingesetzt. Genauen Zahlen fehlen hier zwar, es wird jedoch vermutet, dass viel, wenn nicht die meisten der über 500.000 Patienten mit einer Metall-auf-Metall-Prothese eine MoM-Großkopfprothese erhalten haben. Wegen der hohen Versagensrate dieses Prothesentyps sind die Zahlen in den letzten Jahren rückläufig gewesen. In der Vergangenheit wurden jedoch häufig in Patienten eingesetzt, weil Ärzte überzeugt waren, dadurch eine höhere Beweglichkeit beim Patienten zu erreichen und die Gefahr einer Dislozierung, also des Auskugelns des Kopfes aus der Pfanne, wesentlich zu verringern. Nun haben die Prothesenregister in Australien und England gezeigt, dass die Fehlerquote bei MoM-Großkopfprothesen zwei- bis dreimal so hoch ist wie bei anderen Modellen und deshalb schon früh wieder ersetzt werden müssen.

Weitere Infos

BHR-Prothese (Birmingham Hip Resurfacing)

In der Ärzte-Zeitung vom 02.10.2012 berichtet Peter Leiner von einem Artikel im Journal of Bone and Joint Surgery von einer Auswertung der Birmingham Hip Kappenprothese bei Männern und Frauen. Er berichtet, dass diese Prothesenmodell für Frauern offensichtlich weniger geeignet ist wie für Männer. Lesen Sie hier mehr.

Hier finden Sie den englisch sprachigen Artikel

Gefährliche Metall auf Metall Hüftprothesen

In der englischen medizinischen Fachzeitschrift ‚The Lancet’ erscheint ein Artikel über die Fehlerrate von Metall auf Metallhüftprothesen. Es werden Daten des ‚ National Joint Registry of England and Wales’ untersucht. Das Register besteht seit 2003 und ist die größte Datenbank für künstlichen Gelenkersatz. Das Register erfasst Erst- und Revisionsoperationen an Hüfte und Knie, die in England und Wales durchgeführt wurden. Bis April sind über eine Million Fälle dokumentiert. Folgende Analyse basiert auf über 400.000 Hüfterstoperationen, durchgeführt zwischen 2003 und 2011. Davon waren über 31.000 Metall auf Metall-Hüftprothesen.
Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass die Metall auf Metall-Hüftprothesen eine große Versagerquote haben, die von der Kopfgröße der Prothese abhängt: große Metallköpfe versagen früher.
Nach 5 Jahren haben Prothesen mit einem Kopfdurchmesser von 28mm eine Revisionsrate von 3,2%. Bei einem Kopfdurchmesser von 52mm liegt die Revisionsrate bei 5,1%.
Diese Ergebnisse basieren auf Daten von männlichen Patienten mit einem Alter von 60 Jahren.
Bei jüngeren (?) Frauen, deren Metallköpfe einen Durchmesser von 46mm haben, liegt die Revisionsrate bei 6,1%. Die Revisionsrate für 28mm Metall auf Polyethylenprothesen liegt bei dieser Gruppe im Vergleich bei 1.6%.
Diese Ergebnisse führen zu der Erkenntnis, dass Metall auf Metall-Hüftprothesen eine niedrige Überlebensrate haben und nicht implantiert werden sollen. Alle Patienten mit solchen künstlichen Gelenken sollen sorgfältig beobachtet werden, besonders Frauen mit Metallgroßkopfprothesen.

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