Fehlerquote bei BHR-McMinn-Prothesen

Der Oberflächenersatz statt einer Totalendoprothese hat vor allem für jüngere und sportlich aktive Menschen Vorteile. Bei einer Kappenprothese werden die schadhaften Stellen des Oberschenkelhalsknochens (Os femoris, kurz das Femur) sorgfältig entfernt und die Knochenoberfläche geglättet. Darauf wird dann eine „Kappe“ gesetzt, welche die bisherige knöcherne Oberfläche des Oberschenkelhalsknochens ersetzt.

Bei einer Hüft-TEP wird der gesamte obere Teil des Oberschenkelhalsknochens entfernt. In den dann oben offenen Knochen wird ein Schaft ins Knochenmark eingetrieben bis er durch den Druck fest verankert ist (pressfit).

Sowohl für Kappenprothesen-Operationen als auch für Hüft-TEPs wurden neue Operationsmethoden entwickelt. Neben der klassischen Operationstechnik, bei der das Operatoinsgebiet großflächig freigelegt wird, sind zunehmend minimal-invasive Methoden oder computergesteuerte Operationstechniken im Einsatz

Kappenprothesen für jüngere Patienten?

Operationen der Hüfte sind in den vergangenen Jahren stark angestiegen. Grund dafür ist einmal in der enormen Gewinnspanne für Hersteller und Krankenhäuser zu sehen. Zum anderen aber auch eine sich immer weiter entwickelnde Operationstechnik, die Hüftoperationen inzwischen zu Routine-OPs werden lassen. Darüber hinaus leiden immer mehr jüngere Patienten unter einer schmerzhaften Hüft-Arthrose. Kappenprothesen wurden speziell für die Gruppe der jüngeren, sportlich aktiven Patienten entwickelt. Denn bei einer durchschnittlichen Standzeit einer Prothese im Körper von 10-15 Jahren ist es ein entscheidender Vorteil, wenn bei der Erst-Operation möglichst wenig Knochenmaterial zerstört wird.

Gefahren wurden unterschätzt

Sowohl bei Kappen- als auch bei Totalendoprothesen ist das Material von entscheidender Bedeutung. Mit Metall-auf-Metall-Prothesen (MoM-Prothesen) schien der Stein der Weisen gefunden. Doch schon bald stellte sich heraus, dass MoM-Prothesen giftigen Metallabrieb verursachen, der in seinen Auswirkungen anfangs sträflich unterschätzt wurde. Die erhofften Vorteile von MoM Hüftprothesen kehrten sich ins Gegenteil. Denn viele Patienten litten unter Osteolysen, Metallose, nekrotischem Gewebe, Krankheiten des Immunsystems und Herzerkrankungen. Verursacht durch den giftigen und aggressiven Metallabrieb der Prothese.

Untersuchung von Kappenprothesen in Großbritannien

Die angesehene Fachzeitschrift „Lancet“ veröffentlichte im Jahr 2010 die Ergebnisse einer Gro0studie zur Effizienz von MoM Kappenprothesen. Eine Gruppe von Wissenschaftlern wertete das in Großbritannien vorhandene Datenmaterial aus. Sie stellten fest, dass 2010 bei 14% der Hüft-Operationen MoM-Implantate verwendet wurden. Untersucht wurden 434.650 Hüftoperationen, von denen 31.932 (7%) keine klassische Totalendoprothese erhalten haben.

Unterschiede bei Männern und Frauen

Im Lancet berichten die Wissenschaftler, dass Männer besser mit dem Metallabrieb klar kommen als Frauen. Bei Männern war die Kappenprothese einer Totalendoprothese gleichwertig. Die Ergebnisse wurden neben dem Geschlecht beeinflusst von der Größe der Kappenprothese. Je kleiner bei Frauen der Durchmesser der Metall-Implantate  war (42 mm/ 46 mm), um so häufiger musste innerhalb von 5 Jahren eine Zweit-OP durchgeführt werden (7,2 bis 9,7% gegenüber 6,1%).

Ergebnis insgesamt unbefriedigend

Insgesamt musste das unbefriedigende Ergebnis der jeweiligen ersten OP bei Frauen in 8,3% der Fälle innerhalb von 5 Jahren durch eine Zweit-OP korrigiert werden.  Bei den mehrheitlich durchgeführten Totalendoprothese-Operationen mussten innerhalb von 5 Jahren nur in 1,5 bis 2,5% der Fälle Revisions-Operationen durchgeführt werden. Bei Männern lag die Rate der erforderlichen Zweit-Operationen beim teilweisen Gelenkersatz bei nur  2,6%  – bei einem Durchmesser des Implantats von 52 mm  – aber  bei den kleineren Implantaten (46 mm) bereits bei 4,1%.  Bei zementierten, bzw. nicht-zementierten Totalendoprothesen lag die Rate der innerhalb von 5 Jahren medizinisch erforderlichen Zweit-OPs (bei zementierten Totalendoprothesen) bei nur 1,9% und bei nicht-zementierten Prothesen bei 3.4%. Diese Ergebnisse machen deutlich, dass es nicht zwangsläufig von Vorteil ist, wenn  eine Totalendoprothese bei jüngeren Patienten routinemäßig  zu Gunsten eines Teilersatzes verschlissener Gelenkoberflächen vermieden wird.

Die Wissenschaftler kommen abschließend zu dem Ergebnis, dass

der in Mode gekommene teilweise Ersatz verschlissener Gelenkoberflächen durch Metall-auf-Metall-Implantate (sog. Hüftkappen-Prothesen) (…) mit nicht akzeptablen Risiken verbunden (ist). (Quelle)

Quelle:  Lancet und British Medical Journal

 

1 Kommentar
  1. Christiane Bxxx
    Christiane Bxxx sagte:

    Habe am 1.2.2010 in Berlin eine BMHR der li. Hüfte erhalten. Jetzt steht eine Wechsel-OP an, da ich Osteolysen im Acetabulum und Oberschenkelhals, einen Gelenkerguss und deutlich erhöhte Metallwerte habe. Kann mir jemand sagen, ob es Sinn macht, Regress zu prüfen? MfG Christiane Burbach

    Antworten

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