Schmerzensgeld in Deutschland

Die Höhe von Schmerzensgeld bei fehlerhaften Medizinprodukten ist in Deutschland gering. Dies gilt besonders im Vergleich zu den USA oder Großbritannien. Dort werden Betroffenen schon bei geringfügigen Schmerzen sechs- und siebenstellige Beträge zugesprochen. Die geringen Summen beim Schmerzensgeld in Deutschland sind erklärbar durch

  • systemische
  • rechtliche
  • kulturelle Gründe.

Anders als in den angelsächsischen Ländern, dient Schmerzensgeld in Deutschland nur dem Ausgleich immaterieller Schäden. Es soll mögliche Verursacher nicht davor abschrecken, Menschen Schmerzen zuzufügen. Auch eine Bestrafung der Verantwortlichen ist in Deutschland über die Höhe des Schmerzensgelds nicht beabsichtigt. Nach Auffassung der Durom-SHG sollte sich dies unbedingt ändern. In der jetzigen Form ist das Schmerzensgeld eine Einladung an Hersteller, auf teure und aufwändige klinische Test vor Markteinführung eines Produkts zu verzichten. Denn die zu befürchtenden Zahlungen sollten sie zur Rechenschaft gezogen werden, sind im Vergleich zu den Kosten klinischer Tests vor Markteinführung verschwindend gering.

Exkurs: Schadensersatz

Zu unterscheiden vom Schmerzensgeld ist der Schadensersatz. Entsteht Betroffenen ein materieller Schaden, so ist der Verursacher verpflichtet, für den entstandenen Schaden aufzukommen. Verständlich wird dies bei einem Autounfall: der Schuldige muss die Reparaturkosten des Unfallgegners bezahlen, das Auto also wieder in den Zustand versetzen, in welchem es vor dem Unfall war. Bei einem fehlerhaften Medizinprodukt können vergleichbare materielle Schäden entstehen. Der Patient kann beispielsweise nicht arbeiten gehen und verdient in dieser Zeit nichts. Der Verdienstausfall muss dann ersetzt werden.

Systemische Gründe

Grundlage für Schmerzensgeldforderungen sind das das Produkthaftungsgesetz (ProdHaftG) und das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB)

Mit Hilfe des ProdHaftG muss in einem ersten Schritt festgestellt werden, dass das Produkt fehlerhaft ist. Dann muss nachgewiesen werden, dass die entstandenen Schmerzen durch das fehlerhafte Produkt verursacht wurden. Erst dann kann Schmerzensgeld gefordert werden.

Doch Schmerzen werden von jedem Menschen unterschiedlich empfunden. Wie also kann die Stärke von Schmerzen in Cent und Euro umgerechnet werden? Schmerzensgeld ist eine Ausgleichszahlung für einen immateriellen Schaden. Und wie hoch der immaterielle Schaden für den Betroffenen ist, sprich wie stark seine Schmerzen sind, legt das Gericht nach eigenem Ermessen fest, also willkürlich.

Auch die gerichtsfeste Feststellung, dass das Medizinprodukt fehlerhaft ist, stellt Betroffene vor eine hohe Hürde. Ohne teure Gutachten ist dies in der Regel nicht möglich. Ein Anspruch auf Herausgabe von Konstruktions- und sonstiger Unterlagen durch den Hersteller besteht für Patienten dabei nicht.  Der Bundesgerichtshof hat zwar einer Klägerin, die durch eine Corona Impfung einen Hörschaden erlitten hatte, einen Auskunftsanspruch gegen das Unternehmen zugesprochen. Doch Gerichte sträuben sich oft, solche Urteile auf andere, vergleichbare Fälle zu übertragen.

Rechtliche Gründe

Deutsche Gerichte orientieren sich bei der Höhe von Schmerzensgeld traditionell an einigen wenigen Listen: Celler Schmerzensgeldtabelle, ADAC Schmerzensgeldtabelle oder Sammlungen in juristischen Datenbanken wie beck-online. Diese Listen sammeln seit Jahrzehnten Urteile, in denen Betroffene von Unfällen Schmerzensgeld zugesprochen wurde. Und da sich die Gerichte immer wieder auf die gleichen Beträge berufen, ist seit Jahrzehnten keine Erhöhung der Schmerzensgelder festzustellen. Ein geschlossenes System, das sich mit den immer gleichen Zahlen kontinuierlich selbst bestätigt.

In einer Schmerzensgeldtabelle werden Gerichtsurteilen gesammelt, die dann als Orientierungshilfe dienen, um die angemessene Höhe des Schmerzensgeldes zu bestimmen. Doch bei den gesammelten Fällen geht es um Schmerzen als Folge von Unfällen, gewalttätigen Auseinandersetzungen. Doch das vorsätzliche In-Verkehr-Bringen eines fehlerhaften Medizinprodukts sollte anders „behandelt“ werden und sanktioniert werden als ein Unfall mit dem Auto. Patienten mit der fehlerhaften Durom-Metasul-LDH-Hüftprothese leiden ihr Leben lang an den Folgen. Ihre Lebensplanung, ihre Lebensfreude und oft auch ihre berufliche Existenz wurde grundlegend zerstört. Da können und dürfen die oben genannten Listen keine Grundlage sein.

Kulturelle Gründe

Iin Deutschland herrscht immer noch häufig die Meinung vor, dass man Schmerzen nicht zeigen darf. „Ein Mann heult nicht“, war jahrzehntelang die Devise. Doch will man Anspruch auf Schmerzensgeld erheben, muss man die Intensität der erlittenen Schmerzen deutlich machen, falls möglich sogar beweisen. Aber die Sympathie der Allgemeinheit für solche „Jammerlappen“ hält sich oft in Grenzen. Entsprechend gering fallen deshalb die Beträge für Schmerzensgeld aus, die Richter Betroffenen zuerkennen.

Sammelklagen in Deutschland

Sammelklage ist der Oberbegriff von zwei unterschiedlichen Arten von Klagen mehrerer Kläger;

In Deutschland ist das Gesetz zur gebündelten Durchsetzung von Verbraucherrechten oder auch Verbraucherrechtedurchsetzungsgesetz (VDuG) am 13. Oktober 2023 in Kraft getreten. Im VDuG sind die beiden Arten der Sammelklage geregelt. Bei der Sammelklage müssen sich mindestens 50 Betroffene zusammenfinden. Die Sammelklage, auch als Verbandsklage oder Massenklage bezeichnet, ist eine Möglichkeit für Verbraucher, sich gemeinsam gegen ein Unternehmen zu wehren, das viele Menschen auf gleiche Art geschädigt hat.

Anders als in Amerika, wo große Anwaltskanzleien Betroffene „einsammeln“ und in deren Namen Klage einreichen, können in Deutschland bei einer Musterfeststellungsklage nur „qualifizierte Einrichtungen“ für die Betroffenen vor Gericht gehen. Die klagenden Privatpersonen oder kleine Unternehmen müssen sich hierfür beim Bundesamt für Justiz registrieren. Das Bundesamt für Justiz führt ein Verbandsklageregister, in dem qualifizierte Einrichtungen und ihre laufenden Verbandsklagen bekannt gemacht werden. 

Liste qualifizierter Einrichtungen Deutschland: hier klicken
Liste qualifizierter Einrichtungen Europa: hier klicken

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Vorsätzliche Körperverletzung?

Wenn ein Medizinproduktehersteller wie Zimmer ein Medizinprodukt auf den Markt bringt, welches den üblichen Sicherheitserwartungen der Anwender und Patienten nicht entspricht, ist dies dann Körperverletzung? Und wenn der Hersteller darüberhinaus weiß, dass das Produkt nicht sicher ist, ist dies dann vorsätzliche Körperverletzung? Weiterlesen

Das kann kein Zufall sein

Drohungen gegen die Durom-SHG nehmen seit dem vernichtenden Urteil gegen Zimmer Biomet zu. Will der Hersteller die Patientenvertretung einschüchtern?

Patienten klagen gegen Hersteller

Nach der Operation beginnen die Probleme. Der Arzt hat einen Fehler (Kunstfehler) gemacht. Oder Patienten haben ein fehlerhaftes Medizinprodukt implantiert bekommen. Anstatt weniger Schmerzen nehmen die Schmerzen zu. Das Implantat funktioniert nicht. Es verursacht gesundheitliche Schäden. Unter den Folgen eines ärztlichen Kunstfehlers oder eines fehlerhaften Medizinprodukts leiden mehr Menschen als allgemein bekannt. Denn die Dunkelziffer scheint hoch zu sein.

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Alle Durom-Urteile gegen Zimmer

Die Durom-Urteile gegen Zimmer fielen bisher alle zu Gunsten der klagenden Patienten aus. Vom Landgericht Freiburg und inzwischen auchvom OLG Karlsruhe, Außenstelle Freiburg wurde der Hersteller der Durom-Metasul-LDH-Hüftprothese zur Zahlung von Schmerzensgeld und Schadensersatz verurteilt. Außerdem muss er für alle künftigen Kosten aufkommen. Gezahlt hat die Firma Zimmer den betroffenen Patienten jedoch bis heute keinen Cent. Ungeachtet eindeutiger Urteile bestreitet die Firma immer noch die Fehlerhaftigkeit ihres Durom-Prothesemodells. Nun  hat auch der BGH gegen Zimmer entschieden. Weiterlesen

Warnung vor Vergleichen mit Zimmer!

Zimmer Biomet war im August 2022 letztinstanzlich auch vor dem BGH mit seiner Behauptung, die Durom-Metasul-LDH-Hüftprothese sei nicht fehlerfrei, gescheitert.  In der Folge wurde ein Teil der Patienten auf der Grundlage des rechtkräftigen OLG-Urteils vom 08.06.2020 mit EUR 25.000.- plus pauschal EUR 5.000.- Zinsen entschädigt. Alle anderen gingen bisher leer aus.

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Ungerechtes Schmerzensgeld

Die Höhe von Schmerzensgeld in Deutschland bei Verfahren gegen Medizinproduktehersteller ist ungerecht. Die Gerichte orientieren sich auch bei Schadensfällen durch fehlerhafte Implantate an Schmerzensgeldverfahren, bei denen keine bleibende Gesundheitsschäden zurück bleiben. Doch wer eine fehlerhafte Hüftprothese eingebaut bekommt, leidet den Rest seines Lebens unter den gesundheitlichen Folgen. Seine Lebensqualität ist dauerhaft eingeschränkt.Und es besteht keine Hoffnung auf Besserung.

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Wer bekommt jetzt Geld von Zimmer?

Röntgenbild der fehlerhaften Durom-Metasul-LDH-Hüftprothese von Zimmer Biomet

Nach dem Beschluss des Bundesgerichtshofs, welcher das Urteil des OLG Karlsruhe bestätigt, muss der Hersteller der fehlerhaften Durom-Metasul-LDH-Hüftprothese dem klagenden Patienten EUR 25.000.- plus Zinsen, insgesamt also EUR 35.000.-, bezahlen.

Viele Betroffene waren daraufhin der Meinung, dass dieses Urteil auch auf sie angewendet werden würde. Dem ist jedoch nicht so. Die Anwälte von Zimmer Biomet versuchen gegenwärtig, möglichst viele Betroffene auszugrenzen. Sollten die Anwälte bei ihrer Haltung bleiben, würden viele Betroffene leer ausgehen. Es sei denn, sie würden weitere zeitaufwändige und kraftzehrende Gerichtsverfahren in Kauf nehmen. Weiterhin ist also keinerlei Bemühen von Seiten des Hersteller der fehlerhaften Durom-Prothese erkennbar, den angerichteten Schaden bei den Patienten wieder gut machen zu wolllen. Im Gegenteil, die Anwaltskanzlei Linklaters, die Zimmer Biomet vertritt, versucht nach wie vor, den betroffenen Patienten das Leben so schwer wie möglich zu machen. Weiterlesen

Umfrage 2023 zu BGH-Beschluss

Zimmer Biomet muss einem Durom-Patienten nun 25.000.- EUR Schmerzensgeld plus Zinsen zahlen. Dier Umfrage prüft, wer nun auch Anspruch auf Zahlungen hat.