Neue Studie warnt vor M6 Prothese

Am 12. Januar 2022 warnten Ärzte im „European Spine Journal“ vor der Bandscheibenprothese M6. Die Autoren Mathew Scott-Young, Evelyne Rathborne und Laurien Grierson hatten die kurz- und mittelfristigen Folgen nach der Implantation einer Bandscheibenprothese untersucht. Ihre Ergebnisse sind erschreckend. In ihren Schlussfolgerungen schreiben sie:

There is a concerning midterm failure rate related to ultra-high-molecular-weight-polyethylene wear-induced osteolysis in the M6-C. Patients implanted with the M6-C prosthesis should be contacted, informed, and clinically and radiologically assessed.

Die Studie warnt ausdrücklich vor Abrieb der Polymere der M6, der zur Osteolyse an den Wirbeln führen kann und nachweislich bereits geführt hat. Die Wissenschaftlicher rufen die Ärzte auf, alle Patienten mit einer M6 hinsichtlich der Gefahren durch Osteolyse zu untersuchen, weil es zu einem Verrutschen der M6 kommen kann. Das könnte gravierende Schäden an der Wirbelsäule verursachen.

Dubiose Ärzte verschärfen die Probleme

Bereits am 12.10.2019 berichteten Franziska Pfister und Andreas Schmid im Magazin der Neuen Züricher Zeitung über Probleme mit Bandscheibenprothesen und dubiose Ärzte. Nach deren Versprechungen sollen künstliche Bandscheiben 50 Jahre halten. «Die künstliche Bandscheibe wird ihre Schmerzen lindern», wird beispielsweise in Werbeartikeln von Burkhard Rischke, einem Züricher Arzt, behauptet. Er verwendet die „Freedom Cervical Disc“-Prothese der US-Firma AxioMed bzw. ArgMedical,  an deren Entwicklung er beteiligt war. Für Martin Baur, Chefarzt für Wirbelsäulenchirurgie am Luzerner Kantonsspital und Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für spinale Chirurgie, gehört Burkhard Rischke zu einer «absoluten Minderheit» von Wirbelsäulenspezialisten, die künstliche Bandscheiben als beste Behandlung anpreisen“.

Die Hersteller versprechen das Blaue vom Himmel

Die Produktwerbung der Hersteller künstlicher Bandscheiben unterscheiden sich in Machart und Zielsetzung nicht von der Werbung für Hygieneartikeln oder Mitteln gegen Blähungen. Auf der Webseite von Orthofix steht:

Das M6-C Implantat ist die einzige HWS-Bandscheibenprothese, die die Struktur und Bewegung der natürlichen Bandscheibe nachahmt. Bis heute wurde das M6-C Implantat bei mehr als 60.000 Patienten weltweit eingesetzt. Mit seinem einzigartigen Design ist das M6-C Implantat offensichtlich eine gute Wahl gegenüber der Wirbelfusion (ACDF).
Und weiter ist zu lesen:
Die M6-Bandscheibenprothesen sind die einzigen Bandscheiben mit einem stoßdämpfenden Kern und einem Faserring, die zusammenarbeiten, um den kontrollierten Bewegungsumfang und die stoßdämpfende Wirkung der natürlichen Bandscheibe zu replizieren. Da die M6-Bandscheibenprothesen so konstruiert sind, dass sich Ihre Wirbelsäule auf natürliche Weise bewegen kann, minimieren sie möglicherweise auch die Belastung auf die benachbarten Bandscheiben und andere Wirbelstrukturen.
Bandscheibenprothesen umstritten

In der Fachwelt sind künstliche Bandscheiben umstritten. US-Krankenversicherer erstatten die Kosten nicht, weil sie unabsehbare Folgekosten infolge Komplikationen fürchten. Das behauptet das NZZ-Magazin vom 12.10.2019. Denn nicht zum ersten Mal werden Probleme mit künstlichen Bandscheiben öffentlich. 2018 wurde die britische Firma Ranier wegen eines schadhaften Implantats auffällig. Die Ranier-Prothese Cadisc wurde Patienten eingesetzt, von denen einige re-operiert werden mussten und heute noch unter den Folgen leiden. Ranier nahm die Prothese daraufhin vom Markt. Wie bei anderen Modellen handelt es sich auch die Cadisc um eine viskoelastische Prothese aus Kunststoff und Titan. Solche Modelle haben in den USA keine Zulassung erhalten, in Europa jedoch wurden sie verwendet.

M6 – ein weiteres Beispiel für vernachlässigte Patientensicherheit

Wieder einmal muss festgestellt werden, dass  die Sicherheit der Patienten bei neuen Medizinprodukten vernachlässigt wird. Wie bei den PIP-Brustimplantaten, der Durom-Hüftprothese und vielen anderen werden Innovationen von den Herstellern erst nach Markteinführung des Produkts am lebenden Patienten richtig getestet. Und das ohne deren Wissen und Zustimmung. Nach Auffassung der Durom-SHG erinnert diese Praxis an ethisch verwerfliche und eigentlich für überwunden gehaltene Menschenversuche.

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