EPRD – Prothesenregister light

Das Endoprothesenregister für Deutschland (EPRD) steht in der Kritik: schlechte Datenlage, intransparente Datenauswertung, Mauscheleien. Seit Jahren wird deshalb ein zentrales und unabhängiges Prothesenregister für Medizinprodukte gefordert. Nach jedem Medizinprodukteskandal wird es angekündigt. Zuletzt 2020 von Ex-Gesundheitsminister Jens Spahn. Passiert ist bis heute nichts, niente, nada, nothing, rien. Die von Spahn zum 01.01.2021 angekündigte Einführung eines unabhängigen Prothesenregisters ist bis Ende 2024 verschoben. Spahn setzt nahtlos die Tradition der leeren Versprechungen seiner Vorgänger fort.

Der politische Wille fehlt

Die Medizinproduktehersteller konnten bisher die Einrichtung eines unabhängigen Prothesenregisters verhindern. Ihre aufwändige  erfolgreiche Lobbyarbeit war wieder einmal erfolgreich. Gebetsmühlenartig wird wiederholt, dass es kein Prothesenregister braucht, weil es bereits eines gibt: das EPRD. Laut Webseite will

das EPRD (…) als nationales Register die Versorgungsqualität verbessern.

(Quelle)

Voraussetzung für eine Verbesserung der Versorgungsqualität ist eine vollständige Erfassung sowie eine  zentrale Verwaltung und Auswertung der Daten. Die Erhebung und Auswertung der Daten muss transparent und unabhängig von Einzelinteressen erfolgen und allen Interessierten zur Verfügung stehen. Also auch Patienten und Journalisten. Das ist beim EPRD nicht gegeben. Die Daten werden nur von einigen Krankenkassen und Krankenhäusern geliefert. Krankenhäuser auch nur dann, wenn die Patienten der Weitergabe ihrer Daten schriftlich zustimmen. Die Privaten Krankenversicherungen haben von vorne herein abgewunken. Für sie ist der Aufwand zu groß.

Finanzielle Unterstützung durch Bundesgesundheitsministerium

Die Auswertung dieser unsicheren Datenlage erfolgt im Auftrag und auf Rechnung der Medizinproduktehersteller, die auch als einzige Zugriff auf die Erkenntnisse haben. Patienten bleiben außen vor. Dennoch wird das EPRD vom Bundesgesundheitsministerium finanziell in nicht unerheblichem Maße unterstützt.

Von einem nationalen Prothesenregister wird mit recht erwartet, dass die wichtigen Daten des Landes einfließen. Doch beim EPRD ist weder sichergestellt, dass die Daten in einheitlicher Form angeliefert werden, noch dass alle Daten einfließen. Wer welche Daten wie liefert und wer was wie auswertet bleibt im Dunkeln.

DGOOC

Das EPRD ist eine hundertprozentige Tochter der Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) und wurde am 22. Dezember 2010 gegründet. Auf der Homepage der DGOOC steht,  ihre Zielsetzung sei…

… die Förderung der orthopädischen Wissenschaft in Forschung, Lehre und praktischer Anwendung einschließlich der Rehabilitation körperlich Behinderter.

(Quelle)

DGOU

Die Deutschgesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) ist eine weitere Interessenvereinigung von Chirurgen und Orthopäden, die eng mit dem EPRD verbandelt sind.

EPRD – eine Mogelpackung ohne Mehrwert

Die Durom-SHG fordert seit Jahren, zuletzt von Jens Spahn, endlich ein unabhängiges Prothesenregister einzurichten. Denn das EPRD ist eine Mogelpackung ohne Mehrwert für Betroffene. Unter dem Deckmantel des Datenschutzes wird systematisch verhindert, dass die Öffentlichkeit Zugang zu den Daten und Ergebnissen der Auswertungen erhält. Bevor sich dies nicht ändert, bleibt das EPRD eine Geheimloge, mit welcher sich die Medizinproduktehersteller ihre informationelle Vormachtstellung erhalten und ausbauen wollen. Die persönlichen Verflechtungen und Ämterhäufungen in den verschiedenen Vereinigungen erweckt den Eindruck, dass sich hier systemkonforme Mediziner mit den Herstellern von Medizinprodukten zusammengeschlossen haben, um Fortschritte bei Transparenz und Patientensicherheit auszubremsen. Schade, dass die Patienten nicht auch über einen so voluminösen Apparat an geballter Expertenkompetenz leisten können.

Datenschutz als Hindernis?

Auch bei der Einführung eines Impfregisters gibt es Stimme gegen seine Einrichtung, die sich auf den Datenschutz berufen. Der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber ist jedoch der Auffassung,

dass der Datenschutz einem Impfregister nicht pauschal im Weg stehe. Es müsste allerdings klar begründet werden, warum man es brauche – die Legitimation falle leichter, wenn es nicht nur um Kontrolle des Einzelnen ginge, sondern um den Schutz der Allgemeinheit.

Quelle: Badische Zeitung vom 21.01.2022

Der letzte Halbsatz macht deutlich, dass das Datenschutzgesetz immer dann als Vorwand dient, wenn es darum geht, Vorteile starker Einzelinteressen zu bewahren. Um den Schutz der Allgemeinheit geht es auch bei einem unabhängigen zentralen Prothesenregister. Seine Einführung scheint jedoch im Gegensatz zu den Interessen mächtiger Lobbyisten zu stehen, die ihre Machtstellung und wirtschafltliche Dominanz durch mehr Transparenz und Patientensicherheit gefährdet sehen.

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