Deutsches Endoprothesenregister

Die Notwendigkeit war scheinbar erkannt worden: nach den guten Erfahrungen, die in vielen Ländern mit einem unabhängigen Endoprothesenregister gemacht wurden, sollte auch in Deutschland ein Prothesenregister eingeführt werden. So weit so gut.

Doch während in den skandinavischen Ländern beispielsweise die Teilnahme für Kliniken, Ärzte und Krankenkassen verpflichtend ist und es klare Vorgaben über Umfang und Art der Informationen gibt, ist die Teilnahme beim Deutschen Endoprothesenregister (EPRD) freiwillig. Die privaten Krankenversicherer haben ihr Teilnahme von vorne herein abgesagt, Patienten müssen zur Teilnahme überredet werden, Krankenhäuser verweigern ihre Teilnahme oder ziehen sie inzwischen wieder zurück. So weiß am Ende keiner, wer welche Infos eingegeben hat.

Verpflichtendes unabhängiges Prothesenregister gefordert

In einem zentralen verbindlichen Prothesenregister, welches die Durom-SHG schon seit Jahren fordert, müssen für alle Beteiligten verpflichtend die relevanten Daten einer Prothese bei Erstimplantation erfasst werden. Erfolgt eine Re-Operation müssen selbstverständlich auch diese Daten erfasst und mit den Ursprungsdaten zusammen geführt werden. Nur so kann ein Prothesenregister einen wirklichen Beitrag zur Qualitätssicherung im Bereich der Endoprothetik darstellen. Nur so können auffällige Modelle erkannt und aussortiert werden. Nicht wie beim gegenwärtigen EPRD nur den Medizinprodukteherstellern, müssen die Daten auch Patienten und der Öffentlichkeit zugänglich sein.

Mehr Patientensicherheit durch gesetzliche Vorgaben

Ein Prothesenregister muss ein verlässliches Frühwarnsystem für Patienten darstellen und Zugänglich für alle Interessierte sein. In Schweden wurde ein verbindliches zentrales Prothesenregister bereits 1979 eingeführt (Swedish National Hip Arthroplasty Register). Dadurch konnten Re-Operationen auf Grund von Versagen von Prothesen um 70% reduziert werden.

Mit dem schon 1979 in Schweden eingeführten Implantatregister (Swedish National Hip Arthroplasty Register) etwa konnten Folgeeingriffe um ca. 70 Prozent reduziert werden.[Quelle]

Mit einem Prothesenregister nach schwedischem Vorbild hätten wahrscheinlich die Hüftprothesenskandale um die ASR Hüftprothesen von DePuy und der Durom-Metasul-LDH-Hüftprothese von Zimmer verhindert werden können. Von anderen, unentdeckt gebliebenen Skandalen ganz zu schweigen.

Deutsche Prothesenregister bisher eine Mogelpackung

Doch in Deutschland wird hier ein Prothesenregister, angeblich zur Verbesserung der Patientensicherheit, gegründet, das aber den Funktionsträgern viel Geld bringt für die Patienten jedoch kein Mehr an Sicherheit gegen fehlerhafte Medizinprodukte. Ein Blick auf die Namen, die das Executive Committee des EPRD bilden, zeigt, dass es hier eher um Selbstdarstellung und -bereicherung geht als um mehr Patientensicherheit:

Für die Fachgesellschaft:
Klaus-Peter Günther, Volkmar Jansson, Bernd Kladny,
Carsten Perka (Sprecher), Werner Siebert, Dieter Wirtz
Für die Kostenträger:
Sascha Dold, Claus Fahlenbrach, Thomas Hopf, Dorothee Krug,
Jürgen Malzahn (Stellv. Sprecher), Christian Rotering
Für die Hersteller:
Björn Kleiner, Marc Michel, Michael Morlock*, Michaela Münnig,
Norbert Ostwald (Stellv. Sprecher), Matthias Spenner

*Prof. Dr. Michael Morlock trat bei den Verfahren gegen Zimmer wegen der fehlerhaften Durom-Metasul-LDH-Hüftprothese offiziell als unabhängiger Gutachter vor Gericht auf. Seine Gutachten betonten die Unschuld des Herstellers. In der Verhandlung gegen Zimmer wegen der fehlerhaften Durom-Hüftprothese vor dem OLG im Juni 2020 saß er in einer Reihe mit den Zimmer-Anwälten und Experten. Glücklicherweise ließen sich die Richter durch seine tendenziösen Ausführungen nicht täuschen.

Bei einem Verfahren gegen Spinal Kinetics wegen der fehlerhaften Bandscheibenprothese M 6 war er vom Gericht wiederum als unabhängiger Gutachter benannt worden. Den Einwand seiner Befangenheit durch den Patientenanwalt wischte Prof. Dr. Morlock in einem wortreichen Schreiben an das Gericht vom Tisch.

Weitere Infos zum freiwilligen Europäischen Endoprothesenregister

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