Umgang mit Schmerzen

Jeder Mensch empfindet Schmerzen anders. Erziehung, Herkunft und Hormone spielen dabei eine entscheidende Rolle.  Generell scheinen Männer Schmerzen später zu empfinden als Frauen. Buben erfahren in der Kindheit, dass ein Junge nicht weint. Weinen ist jedoch Ausdruck des Schmerzes. Mädchen wird eher zugestanden, ihre Schmerzen zu zeigen. Sie werden auch intensiver getröstet. Dass Indianer keine Schmerzen kennen ist Ergebnis ihrer Sozialisation. Je nach Situation kann für sie das Unterdrücken von Schmerzen überlebensnotwendig sein. Doch kann man lernen, Schmerzen zu ertragen?

Entstehung von Schmerz

Schmerzempfindung, die sogenannte Nozizeption, ist eigentlich ein sechster Sinn des Menschen. Er funktioniert unabhängig von anderen Sinnen. Bei einer Verletzung werden die Nervenzellen in der unmittelbare Umgebung der Verletzung aktiviert. Sie melden dem Gehirn eine Gefahr. Je größer die Gefahr, sprich je schlimmer die Verletzung, um so stärker der Schmerz. Die Schmerzempfindung entsteht jedoch erst im somatosensorischen Cortex im Gehirn.

Nozizeptoren haben Nervenendigungen in der Haut, in Gelenken und Organen und ein synaptisches Ende im Rückenmark, über das Impulse zur bewussten Schmerzwahrnehmung ins Gehirn oder zur unbewussten Reflexreaktion an motorische Nerven weitergeleitet werden. (Quelle)

Der im Cortex ankommende Schmerz wird durch das limbische System emotional bewertet. Das Ergebnis dieser Bewertung ist das subjektive Schmerzempfinden. Die individuelle Einschätzung der Schmerzintensität durch das limbische System und der daraus resultierende Leidensdruck kann als Ergebnis von Erziehung und kultureller Sozialisation betrachtet werden.

Schmerzempfinden bei Männern und Frauen

Stellt das Gehirn „Schmerz“ fest, aktiviert es die Ausschüttung von Opioide, die sich auch in schmerzstillenden Medikamenten befinden, und Endorphinen, besser bekannt als Glückshormone. Diese dämpfen die Weiterleitung der Schmerzen. Welche Menge an Opioiden und Endorphinen ausgeschüttet werden ist individuell unterschiedlich und hängt von Vorerfahrungen beim Umgang mit Schmerzen ab.

Experimentelle Untersuchungen zeigen, dass Frauen schmerzempfindlicher sind als Männer. So schätzen sie bei einem bestimmten Hitze- oder Druckreiz die Schmerzintensität höher ein und halten den Schmerz weniger lange aus. Außerdem empfinden sie bereits niedrigere Reize als schmerzhaft. (Quelle)

Der Unterschied im Schmerzempfinden kann u.a. stammesgeschichtlich erklärt werden. Professorin Esther Pogatzky-Zahn ist Schmerzforscherin. Sie meint, dass Männer früher auf der Jagd nach dem Mammut sich häufig verletzten oder verletzt wurden. Wesentlich häufiger als Frauen, die relativ sicher in der Höhle saßen. Trotz ihrer Verletzungen und Schmerzen mussten die Männer immer noch in der Lage sein, das Mammut zu erlegen oder sich sich vor ihm in Sicherheit zu bringen.

Ausnahme „Geburt“

Bei der Geburt kommt es bei Frauen zu einer extremen Aktivierung des Schmerzhemmsystems. Das limbische System verändert die subjektive Empfindung des Schmerzes, der Cortex schüttet enorme Mengen an Opioide und Endorphine zur Dämpfung des Schmerzes aus. Nur so ist es möglich, den Geburtsschmerz zu ertragen.

Nicht ernst zu nehmen ist die angebliche Ausnahme bei Männern, die bei einer leichten Erkältung besonders leiden sollen. Hier geht es wohl weniger um Schmerzen als viel mehr um den Wunsch, umsorgt und bemitleidet zu werden. Warum auch immer?!

Multimodale Schmerztherapie

Die Multimodale Schmerztherapie ist eine Kombination aus medikamentöser und therapeutischer Behandlung. Bei ihr arbeiten neben Medizinern, Physiotherapeuten, Psychotherapeuten, Entspannungstherapeuten auch Therapeuten aus den Bereichen Kunst-, Musik- und Biotherapie zusammen. Es ist offensichtlich, dass diese Vielzahl an Experten und Therapeuten eine kompetente und wissenschaftlich fundierte Leitung zur Koordination benötigt. Im Mittelpunkt aller Bemühungen steht der einzelne Patient, der als ganzheitlich und einmaliges Wesen gesehen wird und dessen Schmerzen und Schmerzursachen einmalig sind. Die Erstellung einer Schmerzanalyse, Diagnose und eines Therapieplanes ist eine zeitaufwendige und auf die einzelne Person ausgerichtete Herausforderung aller Beteiligten. Für Patienten eine gute Nachricht ist, dass die Schmerztherapie, wenn sie von einem Arzt verschrieben wird, von den Kassen übernommen werden.

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