Durom-SHG: Wir helfen

Auch heute erreichen die Durom-SHG immer wieder Schreiben von Durom-Patientinnen und -Patienten, die zunehmend unter gesundheitlichen Beschwerden leiden und einen Zusammenhang mit dem Metallabrieb ihrer Hüftprothese vermuten.

Viele der geschilderten Symptome sind uns seit Jahren bekannt. Mehrere Umfragen der Durom-SHG haben bereits früh deutliche Hinweise darauf ergeben, welche gesundheitlichen Probleme im Zusammenhang mit dem Metallabrieb der Durom-Metasul-LDH-Hüftprothese von Zimmer Biomet auftreten können.

Für die Betroffenen ist es wichtig, mit ihren Beschwerden ernst genommen zu werden. Niemand sollte mit seinen Fragen und Sorgen alleinbleiben. Erfahrungen anderer Durom-Patienten können dabei helfen, mögliche Zusammenhänge zu erkennen, gezielt ärztlichen Rat einzuholen und die nächsten Schritte zu überlegen.

Das folgende Schreiben steht beispielhaft für viele ähnliche Anfragen, die uns bis heute erreichen.

Sehr geehrtes Team der Selbsthilfegruppe Durom,
Ich schreibe im Auftrag meines Vaters, der auch Mitglied in ihrer Selbsthilfe Gruppe ist.
Er hat seit 20 Jahren eine Duromhüfte implantiert, welche vermutlich für seine erhöhten Schwermetallwerte (Chrom 3,2/ Kobalt 10,7 /Titan  6,5) im Blut verantwortlich sind. Bisher ist er einer erneuten Operation aus dem Weg gegangen.
Seine Beschwerden sind inzwischen sehr problematisch geworden. Sein körperlicher und mentaler Zustand verschlechtert sich zunehmend. Er kommt kaum mehr auf die Beine. Er leidet unter sehr starker Müdigkeit/ permanenter Erschöpfung, Antriebslosigkeit, Muskelschmerzen, Nervenschmerzen.
Der Zustand seiner Augen macht ebenso große Probleme. Die Augen sind sehr schwer, müde und seit einer Augentomographie in noch schlechterem Zustand.
Medikamente zur Behandlung seiner Probleme bewirken eine Verschlechterung seines Zustandes. Innerhalb der Familie überlegen wir gemeinsam, was den Zustand von ihm verbessern könnte. Immer wieder landen wir bei dem Ergebnis, dass die besagte Hüfte die Ursache für seine Probleme sein könnte.
Unser Anliegen nun an sie:
  • Sehen sie einen Zusammenhang?
  • Würden sie trotz des Alters (82 Jahre) einen Austausch der Hüfte in Betracht ziehen? Inzwischen ist er so verzweifelt, dass er zu einer schnellstmöglichen Operation bereit wäre.
  • Wäre eine Ausschwemmung der Schwermetalle möglich? Wir haben über die sogenannte Chelattherapie gelesen.
  • Gibt es andere Möglichkeiten der Blutwäsche?
  • Sehen sie andere Möglichkeiten zum weiteren Vorgehen?
Wir alle sind momentan ratlos und würden uns sehr über eine Rückmeldung aufgrund ihres Fachwissen und Erfahrungswerten mit anderen Betroffenen von Ihnen freuen. Gerne können wir auch telefonieren, da wir aufgrund der Entfernung leider nicht zu den Treffen der Selbsthilfegruppe kommen können.
Antwort der Durom-SHG:

Sehr geehrte/r …,

vielen Dank für Ihre ausführliche Nachricht. Es tut mir sehr leid zu lesen, wie sehr sich der Gesundheitszustand Ihres Vaters in letzter Zeit verschlechtert hat. Ich kann gut verstehen, dass Sie als Familie nach einer Erklärung und vor allem nach einer Möglichkeit suchen, ihm zu helfen.

Symptome bekannt

Die von Ihnen geschilderten Beschwerden – insbesondere die starke Erschöpfung, Antriebslosigkeit sowie Muskel- und Nervenschmerzen – kennen wir in ähnlicher Form auch aus Berichten anderer Durom-Patientinnen und -Patienten. Ob und in welchem Umfang die Durom-Prothese und die erhöhten Metallwerte tatsächlich für die Beschwerden Ihres Vaters verantwortlich sind, lässt sich daraus allerdings nicht sicher ableiten. Gerade bei einem 82-jährigen Menschen sollten auch andere mögliche Ursachen sorgfältig abgeklärt werden.

Chrom- und Kobaltwerte

Die von Ihnen genannten Werte für Chrom, Kobalt und Titan sind aus unserer Sicht jedenfalls ein wichtiger Anlass, die Situation fachärztlich genauer untersuchen zu lassen. Dabei ist nicht nur ein einzelner Messwert entscheidend. Wichtig sind auch die Entwicklung der Werte über die Zeit, der Zustand der Prothese und des umliegenden Gewebes sowie der allgemeine Gesundheitszustand Ihres Vaters.

Austausch der Durom-Prothese sinnvoll?

Die Frage nach einem Austausch der Prothese würde ich deshalb nicht allein vom Alter Ihres Vaters abhängig machen. Auch mit 82 Jahren kann eine Wechseloperation grundsätzlich in Betracht kommen. Entscheidend ist, ob Ihr Vater gesundheitlich in der Lage ist, einen solchen Eingriff zu verkraften und ob die Ärzte nach entsprechender Diagnostik zu der Einschätzung kommen, dass die Prothese tatsächlich eine wesentliche Ursache seiner Beschwerden sein könnte. Gerade bei einer Durom-Prothese würde ich hierfür eine Klinik bzw. einen Operateur empfehlen, die oder der über Erfahrung mit Durom-Prothesen und deren Revision verfügt.

Von einer eigenständigen Behandlung zur „Ausschwemmung“ der Metalle würde ich zunächst abraten. Auch die Chelattherapie ist keine einfache oder risikofreie Möglichkeit, Metallbelastungen aus dem Körper zu entfernen. Vor allem löst sie das grundlegende Problem nicht, wenn weiterhin Metall aus der Prothese freigesetzt wird. Bei einem 82-jährigen Patienten müssen zudem mögliche Belastungen für Nieren, Kreislauf und Mineralstoffhaushalt besonders berücksichtigt werden. Eine solche Behandlung sollte deshalb keinesfalls ohne spezialisierte ärztliche Begleitung begonnen werden.

Weitere Infos zur Chelattherapie: https://durom-hueftprobleme.de/medizinprodukte/prothesen/modelle/durom/giftiges-chrom-und-kobalt-im-blut
Weitere Infos zu Chrom-/Kobaltwerten: https://durom-hueftprobleme.de/patientenschutz/metallabrieb/erhoehter-metallabrieb-durch-mom-hueftprothesen

Eine klassische „Blutwäsche“ ist nach unserem Kenntnisstand ebenfalls keine übliche Behandlung einer durch eine Metallprothese verursachten erhöhten Kobalt- oder Chrombelastung.

Weiteres Vorgehen

Ich würde deshalb im Moment vor allem versuchen, strukturiert vorzugehen:

  • zunächst eine gründliche orthopädische Untersuchung der Durom-Hüfte einschließlich geeigneter Bildgebung und
  • gleichzeitig eine internistische Abklärung der Beschwerden und der erhöhten Metallwerte.
  • Dabei sollte auch geprüft werden, ob die Nierenfunktion in Ordnung ist und ob andere Erkrankungen zu der ausgeprägten Erschöpfung und Schwäche beitragen können.

Wenn sich dabei der Verdacht erhärtet, dass die Durom-Prothese wesentlich zu den Beschwerden beiträgt, sollte anschließend mit einem erfahrenen Revisionszentrum ganz konkret besprochen werden, welchen Nutzen eine Wechseloperation bei Ihrem Vater erwarten lässt und welches individuelle Operationsrisiko besteht.

Ich möchte Ihnen dabei auch keine falschen Hoffnungen machen: Wir sind eine Selbsthilfegruppe und können eine ärztliche Diagnose oder Behandlungsempfehlung nicht ersetzen. Was wir aber sehr gerne tun können, ist unsere Erfahrung aus vielen Jahren mit Durom-Betroffenen weiterzugeben und Ihnen bei der Suche nach einem sinnvollen weiteren Vorgehen zu helfen.

Sehr gerne können wir auch miteinander telefonieren. Gerade bei der Situation Ihres Vaters halte ich ein persönliches Gespräch für sinnvoller, als alle Fragen ausschließlich per E-Mail zu beantworten.

Richten Sie Ihrem Vater bitte herzliche Grüße aus. Ich wünsche ihm sehr, dass möglichst bald geklärt werden kann, woher seine Beschwerden kommen und welche Behandlung ihm tatsächlich helfen kann.

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