Schmerzen wegen Durom-Hüftprothese
Lebenslange Schmerzen sind furchtbar. Manche Menschen kommen aber mit Schmerzen besser zurecht als andere. Das ist auch bei den Durom-Patienten der Fall. Viele leiden an den Folgen der fehlerhaften Durom-Metasul-LDH-Hüftprothese der Firma Zimmer Biomet. Doch nicht alle sind durch Schmerzen so eingeschränkt, dass sie ihren Alltag nicht mehr alleine bewerkstelligen können.
Warum ist das so? Die Stärke eines Schmerzes hängt nicht allein davon ab, was im Gelenk oder im umliegenden Gewebe passiert. Auch das Nervensystem, frühere Erfahrungen mit Schmerzen, Stress, Hormone und die persönliche Lebenssituation haben Einfluss darauf, wie Schmerzen wahrgenommen werden.
Das heißt allerdings nicht, dass Schmerzen „nur im Kopf“ entstehen. Schmerzen sind real. Gerade bei Patienten mit einer Durom-Hüftprothese ist es wichtig, zwischen der Ursache des Schmerzes und seiner individuellen Wahrnehmung zu unterscheiden.
Wie entsteht Schmerz?
Die Wahrnehmung schädigender oder möglicherweise schädigender Reize wird als Nozizeption bezeichnet.
In der Haut, in Gelenken, Muskeln und inneren Organen befinden sich spezialisierte Nervenendigungen. Sie reagieren unter anderem auf starken Druck, Hitze, Entzündungen oder Verletzungen. Die dabei entstehenden Signale werden über die Nerven und das Rückenmark an das Gehirn weitergeleitet.
Erst dort entsteht die dann bewusste Wahrnehmung des Schmerzes.
Das Gehirn verarbeitet dabei nicht einfach nur ein eingehendes Signal. Es bewertet dieses Signal auch. Deshalb kann eine vergleichbare körperliche Schädigung bei zwei Menschen durchaus unterschiedlich stark empfundene Schmerzen verursachen.
Schmerz ist nicht eingebildet
Gerade Patienten mit lang anhaltenden Beschwerden erleben immer wieder, dass ihre Schmerzen psychologisiert werden. Wenn auf Röntgenbildern oder bei einer Untersuchung keine eindeutige Ursache gefunden wird, entsteht schnell der Eindruck, es könne sich um ein psychisches Problem handeln. Oder noch schlimmer, der Patient simuliere und es gehe ihm in Wirklichkeit prima.
Aber so einfach ist es nicht.
Jeder Schmerz wird im Gehirn verarbeitet. Das gilt für den Schmerz nach einer Verletzung genauso wie für Schmerzen durch eine Entzündung, eine Nervenschädigung oder ein Problem mit einer Hüftprothese.
Angst, Stress, Aufmerksamkeit und frühere Erfahrungen können beeinflussen, wie stark ein Schmerz wahrgenommen wird. Daraus folgt aber keineswegs, dass sie auch die Ursache des Schmerzes sind.
Akute und chronische Schmerzen
Akute Schmerzen haben in der Regel eine wichtige Warnfunktion. Wer sich verletzt, schont beispielsweise automatisch die betroffene Stelle. Der Schmerz schützt dadurch vor weiteren Schäden.
Bei chronischen Schmerzen wird die Situation komplizierter. Bestehen Schmerzen über Monate oder Jahre, kann sich auch ihre Verarbeitung im Nervensystem verändern. Das Nervensystem reagiert dann unter Umständen empfindlicher auf bestimmte Reize. Mediziner sprechen dabei unter anderem von einer Sensibilisierung.
Ein ursprünglich durch eine körperliche Schädigung ausgelöster Schmerz kann dadurch mit der Zeit eine zusätzliche Eigendynamik entwickeln.
Für Patienten ist dabei eines wichtig: Auch bei chronischen Schmerzen darf die Suche nach einer körperlichen Ursache nicht vorschnell beendet werden.
Was bedeutet das für Durom-Patienten?
Schmerzen bei einer Durom-Hüftprothese können unterschiedliche Ursachen haben. Deshalb sollte nicht vorschnell angenommen werden, der Betroffene habe lediglich eine besonders ausgeprägte Schmerzempfindlichkeit.
Nach einer Hüftoperation kommen beispielsweise mechanische Probleme, Lockerungen, Entzündungen, Veränderungen des umliegenden Gewebes sowie orthopädische oder neurologische Ursachen infrage. Diese Schmerzen haben körperliche Ursachen , die in der Regel festgestellt und dann im Idealfalll auch behandelt werden können.
Bei Metall-auf-Metall-Hüftsystemen kommt ein weiterer Punkt hinzu: Auch mögliche Reaktionen auf Metallabrieb und Metallionen müssen bei der Ursachenforschung berücksichtigt werden. Können körperliche Ursachen für den Schmerz ausgeschlossen werden, sollte geprüft werden, ob eine allergische reaktin auf das Metall im Körper vorliegt oder es, wie bei der Durom-Hüftprothese, zu einer Vergiftung durch den gesundheitsschädlichen Metallabrieb der Prothese gekommen ist.
Bei Dauerschmerzen, unter denen Durom-Patienten leiden, kann es passieren, dass das Gehirn die Schmerzempfindung dauerhaft abspeichert. Ein Extrembeispiel hierfür ist der Phantom-Schmerz: Patienten empfinden teilweise sehr starke Schmerzen an einem Körperglied, das ihnen amputiert wurde. Hier könnte eine Multimodale Schmerztherapie helfen.
Warum empfinden Menschen Schmerzen unterschiedlich?
Unser Körper verfügt über eigene Mechanismen, mit denen er Schmerzsignale beeinflussen kann. Dabei spielen unter anderem Endorphine und andere körpereigene Opioide eine Rolle.
Hinzu kommen Erfahrungen, die wir im Laufe unseres Lebens machen. Auch die Erziehung kann den Umgang mit Schmerzen beeinflussen. Jungen wurde beispielsweise über Generationen vermittelt, sie sollten Schmerzen möglichst nicht zeigen. „Ein Junge weint nicht“ war ein Satz, mit dem viele aufgewachsen sind.
Mädchen wurde dagegen eher zugestanden, Schmerz zu zeigen und darüber zu sprechen.
Solche Erfahrungen können beeinflussen, wie Menschen mit Schmerzen umgehen, wie sie darüber berichten und wie stark sie sich dadurch beeinträchtigt fühlen. Sie erklären aber nicht die körperliche Ursache eines Schmerzes.
Empfinden Frauen und Männer Schmerzen unterschiedlich?
Tatsächlich gibt es Unterschiede. Experimentelle Untersuchungen zeigen, dass Frauen bei bestimmten Reizen im Durchschnitt früher oder stärker mit Schmerzen reagieren als Männer.
Das österreichische Gesundheitsportal fasst entsprechende Forschungsergebnisse so zusammen:
„Experimentelle Untersuchungen zeigen, dass Frauen schmerzempfindlicher sind als Männer.“
Warum das so ist, lässt sich nicht auf eine einzige Ursache zurückführen. Hormone spielen wahrscheinlich ebenso eine Rolle wie biologische, psychologische und soziale Faktoren.
Bei solchen Durchschnittswerten ist allerdings Vorsicht angebracht. Sie sagen wenig über den einzelnen Menschen aus. Es gibt Männer mit einer hohen und Frauen mit einer niedrigen Schmerzempfindlichkeit – und natürlich umgekehrt.

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