Giftiges Chrom und Kobalt im Blut
Bei Patientinnen und Patienten mit einer Durom-Hüftprothese können durch Metallabrieb erhöhte Chrom- und Kobaltwerte im Blut auftreten. Um den vergifteten Chrom- und Kobaltabrieb der Durom-Hüftprothese aus dem Körper zu bekommen, kann eine Ausleitungstherapie in Frage kommen. Die Behandlung sollte durch einen erfahrenen Facharzt erfolgen.
Was ist eine Chelattherapie?
Die Chelattherapie (Ausleitungstherapie) ist ein medizinisches Verfahren zur Behandlung von Schwermetallbelastungen. Dabei werden sogenannte Chelatbildner – beispielsweise EDTA, DMPS oder DMSA – meist als Infusion, seltener in Tablettenform, verabreicht. Diese Wirkstoffe binden Schwermetalle wie Chrom und Kobalt. Die entstandenen Metallkomplexe werden anschließend überwiegend über die Nieren mit dem Urin ausgeschieden.
Wann kommt Celattherapie in Frage?
Die Chelattherapie ist wissenschaftlich anerkannt zur Behandlung akuter und chronischer Schwermetallvergiftungen sowie bestimmter Erkrankungen mit einer ausgeprägten Eisenüberladung.
Darüber hinaus setzen erfahrene Umweltmediziner und Spezialisten für klinische Metalltoxikologie die Chelattherapie auch bei erhöhten Chrom- und Kobaltwerten nach Metall-auf-Metall-Hüftprothesen ein. Die wissenschaftliche Bewertung dieses Anwendungsgebietes ist derzeit jedoch noch nicht einheitlich.
Vor Beginn der Behandlung
Ob eine Chelattherapie sinnvoll ist, muss immer individuell ärztlich geprüft werden. Dazu gehören insbesondere:
- die Bestimmung der Chrom- und Kobaltwerte im Blut,
- die Kontrolle der Nierenfunktion,
- die Beurteilung, ob die Hüftprothese weiterhin Metallpartikel freisetzt,
- sowie die Entscheidung, ob zunächst ein Prothesenwechsel erforderlich ist.
Eine Chelattherapie kann die Metallbelastung des Körpers verringern. Sie ersetzt jedoch nicht die Beseitigung der Ursache.
Wichtig: Ursache des Metallabriebs beseitigen
Eine Chelattherapie ersetzt nicht die Beseitigung der Ursache. Wenn eine defekte oder stark verschlissene Hüftprothese weiterhin Metallabrieb produziert, muss zunächst geprüft werden, ob ein Prothesenwechsel medizinisch notwendig ist. Erst danach kann eine Ausleitung sinnvoll dazu beitragen, die im Körper vorhandene Metallbelastung zu reduzieren.
Durchführung
Die Behandlung erfolgt in der Regel ambulant durch intravenöse Infusionen. Eine Sitzung dauert meist 60 bis 90 Minuten. Je nach Höhe der Metallbelastung sind mehrere Behandlungen erforderlich, die in festgelegten Zeitabständen durchgeführt werden.
Da es sich um eine anspruchsvolle toxikologische Therapie handelt, sollte sie ausschließlich von entsprechend qualifizierten Ärztinnen und Ärzten durchgeführt und überwacht werden. Geeignete Ansprechpartner sind insbesondere Fachärzte mit Erfahrung in der klinischen Metalltoxikologie, Umweltmedizin oder spezialisierte Zentren.
Kosten
Je nach Praxis, verwendetem Wirkstoff und Umfang der Behandlung liegen die Kosten meist zwischen 110 und 180 Euro pro Infusion. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen diese Kosten häufig nicht oder nur in Ausnahmefällen. Auch private Krankenversicherungen erstatten die Behandlung nicht in jedem Fall.
Risiken
Wie jede medizinische Behandlung ist auch die Chelattherapie nicht frei von Risiken. Da sie in den Mineralstoffhaushalt des Körpers eingreift, sind regelmäßige Kontrollen der Nierenfunktion sowie wichtiger Blutwerte erforderlich.
Mögliche Nebenwirkungen reichen von Kreislaufbeschwerden oder Übelkeit bis hin zu Störungen des Mineralstoffhaushalts. Deshalb sollte die Behandlung ausschließlich unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.
Anlaufstellen und Kontakte
Die Durom-Selbsthilfegruppe kann Betroffenen auf Wunsch Ansprechpartner nennen, die Erfahrung mit der Diagnostik und Behandlung erhöhter Chrom- und Kobaltbelastungen nach Metall-auf-Metall-Hüftprothesen haben.
Wer sich über Behandlungsmöglichkeiten informieren möchte, findet auf den Internetseiten der Deutschen Ärztegesellschaft für Klinische Metalltoxikologie sowie der Deutschen Ärztegesellschaft für Chelat-Therapie Verzeichnisse qualifizierter Ärztinnen und Ärzte sowie weiterführende Informationen.
Zu den bekannten Ärzten und Zentren gehören unter anderem:
- Dr. med. Thomas B. Fischer (Düsseldorf) – Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren; behandelt u. a. mit EDTA-, DMPS-, DMSA- und DTPA-Chelattherapie. Er ist Präsident der Ärztegesellschaft für Klinische Metalltoxikologie.
- Prof. Dr. Claus Schulte-Uebbing (München) – Gynäkologe und Umweltmediziner; befasst sich seit vielen Jahren mit Umweltmedizin und Metallbelastungen.
- Dr. Kay Polonius (München) – Orthopäde mit Schwerpunkt Metallausleitungen (EDTA, DMPS, DMSA).
- Dr. Rainer Rippert (Wiesbaden) – Internist mit Chelattherapie und Umweltmedizin.
- Dr. Markus Rost (Burgwald, Hessen) – Allgemeinmedizin/Naturheilverfahren mit Metallausleitung.
- Dr. Thomas Carmine (Pfäffikon, Schweiz) – langjährig in der Chelatmedizin tätig.
Wenn Sie in Süddeutschland suchen, kommen insbesondere München, Wiesbaden oder – in Italien – Dr. Karin Botchen (Bruneck/Südtirol) infrage, die EDTA-, DMPS- und DMSA-Ausleitungen anbietet.
Die umfassendste aktuelle Arztsuche bietet die Ärztegesellschaft für Klinische Metalltoxikologie:

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