Anwälte von Durom-Patienten

Nachdem etwa 200 Re-Operationen am Lorettokrankenhaus in Freiburg durchgeführt wurden und sich der Zustand der betroffenen Patienten nach Monaten der Schmerzen und Beschwerden gebessert hat, rücken die gerichtlichen Auseinandersetzungen in den Mittelpunkt. Nach den medizinischen Problemen werden nun zunehmend die juristischen in Angriff genommen. Dies ist um so wichtiger als mit dem 09.08.2012 ein erster möglicher Verjährungstermin für Schadensersatz- und Schmerzensgeldforderung gegenüber der Firma Zimmer ins Haus steht.

Deshalb stellen wir unverbindlich und ohne eine Empfehlung auszusprechen eine Auflistung der Anwälte zur Verfügung, die nach den Informationen der Selbsthilfegruppe bereits von betroffenen Patienten mit der Wahrnehmung ihrer Interessen beauftragt worden sind. Diese alphabetische Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Weiterlesen

Firma Zimmer: 71,9 Mio $ für Produkthaftung

Der Geschäftsbericht der Firma Zimmer (Stand: 31.12.2009) bietet vor allem auf S. 62 unter Punkt 17 für Patientinnen und Patienten mit einer fehlerhaften Durom-Metasul-LDH-Hüftprothese interessante Informationen. Demnach scheinen die Verantwortlichen davon auszugehen, dass es im Laufe der Jahre zu erheblichen Kosten durch Verurteilungen im Zusammenhang mit der Haftung für fehlerhafte Medizinprodukte kommen wird. Sie haben deshalb Rückstellungen in Höhe von 71,9 Millionen US Dollar für Schadensersatz- und Schmerzensgeldzahlungen gebildet. Dies ist einerseits ein beruhigendes Zeichen, da es die Hoffnung nährt, dass klagende Patienten im Falle eines Obsiegens vor Gericht auch tatsächlich finanziell entschädigt werden können, auf der anderen Seite ist unklar, ob dieser Betrag nicht hauptsächlich für Anwaltskosten eingestellt wurde, um alle Ansprüche von Betroffenen abzuwehren.

Im Juli 2008 nahm Zimmer in Amerika zeitweise die Durom Acetabular Hüftprothese (Durom Cup) aus dem Vertrieb. Diese sind wohl bis auf eine glatte Pfannenaußenseite in den USA gegenüber einer rauhen in Deutschland identisch mit dem im Loretto Krankenhaus verwendeten Modell. In Amerika hatten sich die Pfannen gelockert. In Deutschland führt stark erhöhter Abrieb am Kopfadapter des Schaftkonus zu Metallose und nekrotischem Gewebe. Der zerfressene Knochen und das abgestorbene Gewebe machten in vielen Fällen eine rasche Re-Operation erforderlich. BEsonders hart traf es Betroffene, die beidseitig eine dieser fehlerhaften Prothesenmodelle implantiert bekommen hatten.

Einige Verfahren im Rahmen der Produkthaftung wurden von der Firma Zimmer in den USA bereits befriedigt. Zimmer rechnet jedoch laut Geschäftsbericht mit weiteren Verfahren, für welche Rückstellungen bilanziert werden. Zimmer geht davon aus, die meisten der Forderungen in den USA im Laufe der nächsten drei Jahre finanziell abgegolten zu haben.

Geschäftsbericht (Stand 31.12.2009), vor allem Punkt “17. COMMITMENTS AND CONTINGENCIES” auf  S. 62ff im Geschäftsbericht und S. 90 im online Dokument.

Der Patient als Kläger – Recht und Gerechtigkeit in Deutschland

Die Entscheidung von betroffenen Patientinnen und Patienten, bei einem fehlerhaften Medizinprodukt wie der Durom-MEtasul-LDH-Hüftprothese der Firma Zimmer gerichtlich gegen den Hersteller vorzugehen, ist sicherlich nicht einfach. Zum einen leidet der Patient unter den gesundheitlichen Beschwerden und Einschränkungen, die durch das fehlerhafte Produkt verursacht wurde, zum anderen wird seine Position in Deuschland durch Gesetzgebung, Rechtsprechung und Bestimmungen nicht gestärkt. Er muss gegen einen (Welt-)konzern antreten, der im Vergleich zum Patienten über unendliche Resourcen an manpower und Finanzmittel verfügt. Und der Gegner ist nicht wie der Patient persönlich betroffen und psychisch belastet.

Erschwert wird eine Klage gegen einen Hersteller von Medizinprodukten auch, dass der Patient nachweisen muss,

a) dass das implantierte Medizinprodukt fehlerhaft ist;

b) dass die Folgen wie erhöhter Metallabrieb durch die Fehlerhaftigkeit des Produkt verursacht wurden und sich nicht im Rahmen des üblichen Abriebs bewegen;

c) dass im Falle erhöhten Metallabriebs dieser ursächlich für die gesundheitlichen BEeinträchtigungen des Patienten ist.

Dabei hat der klagende Patient kaum Rechte, an die für den Nachweis der Fehlerhaftigkeit des Medizinproduktes erforderlichen Unterlagen zu kommen. Der Hersteller verweigert in der Regel selbst die Herausgabe der bei der Benannten Stelle zur Erlangung des CE-Kennzeichens eingereichten Unterlagen, von den Konstruktions-, Test- und sonstigen Unterlagen ganz zu schweigen. Unabhängige Gutachter, die zur Untersuchung der Hüftprothese herangezogen werden können, sind in Deutschlad rar gesät. Bei der fehlerhaften Durom-Metasul-LDH-Hüftprothese von Zimmer soll der Hersteller alle in Deutschland tätigen Gutachter zu einem mehrtägigen Symposium in dei Zentrale eingeladen haben, um mögliche Ursache für das gehäuft aufgetretene Versagen des Prothesenmodells zu diskutieren. Einen von diesen mussten Kläger gegen Zimmer dann in ihrem Verfahren beauftragen, da das Landgericht keine Gutachter aus dem angelsächsischen Raum zuließ mit der Begründung, dies würde durch erforderliche Übersetzungen den Prozess unnötig verzögern. Nach mehr als 10 Jahren hat das Landgericht Freiburg die ersten Urteile vorgelegt. Eine mögliche Verzögerung durch englisch-sprachige Gutachter hätte wohl nicht entscheidend zur überlangen Verfahrensdauer beigetragen. Und ein Ende der Verfahren ist nicht in Sicht, da die Beklagte, die Firma Zimmer Biomet, den Instanzenweg offensichtlich auszuschöpfen gedenkt.

Jeder Patient ist selbst für die Wahrnehmung seiner rechtlichen Interessen zuständig. Sammelklagen sind in Deutschland nicht möglich. Die als Verein organisierte Selbsthilfegruppe kann keine Rechtsberatung leisten. Erfahrungen können jedoch zwischen Vereinsmitgliedern und Verein ausgetauscht werden.

Sie finden hier Links und erste Informationen zur rechtlichen Situation, zu Gutachten und zur Analyse von Untersuchungsergebnissen im Fall fehlerhafter Durom-Metasul-LDH-Hüftprothesen.

Gesetze

Gesetz über die Haftung für fehlerhafte Produkte (Produkthaftungsgesetz (pdf)) aus dem BGB (Bürgerliches Gesetzbuch).

Verjährungsfristen:

Produkthaftungsgesetz
§ 12 Verjährung
(1) Der Anspruch nach § 1 verjährt in drei Jahren von dem Zeitpunkt an….mehr

Bürgerliches Gesetzbuch
BGB § 195 Regelmäßige Verjährungsfrist
Die regelmäßige Verjährungsfrist beträgt drei Jahre….mehr

Skript zur Patienteninformationsveranstaltung von den RA Berst und Liebold

In den Jahren 2004 bis 2008 wurden im Loretto-Krankenhaus in Freiburg über 800 Patienten mit einer sogenannten….mehr

Information RA Burkhardt

Am 07.12.2009 fand im Loretto-Krankenhaus Freiburg eine Informationsveranstaltung unter reger Beteiligung….mehr

Rechtliche Tipps:

Wir empfehlen, anwaltlichen Rat bei einem Fachanwalt für Medizinrecht einzuholen und diesen ggf. mit Ihrer Interessenvertretung zu beauftragen.

Eine Liste der Fachanwälte für Medizinrecht ist bei der Rechtsanwaltskammer Freiburg erhältlich.

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